Rezension

Sparta

Trust The River


Highlights: No One Can Be Nowhere // Class Blue // Miracle
Genre: Prog Rock // Posthardcore // Alternative
Sounds Like: The Mars Volta // Dredg

VÖ: 10.04.2020

Jim Ward war lange weg. Musikalisch hatte der Sparta-Sänger und -Gitarrist zuletzt 2011 von sich hören lassen mit einem durchwachsenen Solo-Folk-Album. Bezogen auf die Band sprechen wir sogar von einer 13-jährigen Albumabstinenz. Eine Menge Holz. Aber nun liegt endlich das neue Machwerk „Trust The River“ vor, bei dem sofort auffällt, dass der Drive der Anfangsjahre etwas runtergeschraubt wurde. „Wiretap Scars“ oder „Porcelain“ waren sicher nah dran am Meisterwerkstatus und wurden nur getoppt von der Vorgeschichte von Ward, der einst bei At The Drive-In tatsächlich Genreklassiker ablieferte, die auch heute noch relevant sind.

„Trust The River“ startet nun ziemlich spektakulär mit dem umgarnenden, sich windenden „Class Blue“ und dem vorwärts drängenden, rifflastigen „Cat Stream“. Das ist eingängig, gleichzeitig aber auch vertrackt und mit einer gewissen Härte versehen. Gesangsausbrüche des Sängers sucht man hier jedoch fast vergebens und tatsächlich klingt er manchmal eher nach dem jungen Thom Yorke, wie etwa beim Opener, oder nach dem Shins-Frontmann James Mercer auf dem großartigen „Miracle“. Das passt trotzdem immer wunderbar zu den einzelnen, sehr unterschiedlichen Stücken.

Leider tummelt sich aber auch der ein oder andere radiotaugliche Song auf dem Album, wie etwa „Turquoise Dream“ oder die Single „Believe“, die relativ belanglos vor sich hin dudeln. Will man jetzt nicht unbedingt auf einem Sparta-Album hören. Wards Folk-Soloalbum von 2011 wird dann schließlich auch noch Tribut gezollt im Lee-Hazelwood-Verschnitt „Spirit Away“. Nett anzuhören mit seinem weiblich gehauchten Gesang, aber mehr leider auch nicht. Zum Schluss ertönt dann aber doch noch der erhoffte Höhepunkt mit dem progressiven Meisterstück „No One Can Be Nowhere“. „I can´t get you out of my mind“ singt Ward herzerweichend über einem melodieseligen Riff, mittendrin sucht die Band die Ruhe um gegen Ende in einem Gefühlsgewitter auszubrechen. So muss das sein.

Trotzdem bleibt ein etwas fader Geschmack zurück, da dem Album mehr Songs wie der Opener oder Closer gut getan hätten. Aber allein für „No one Can be Nowhere“ verzeiht man einiges.

Marcus Schmanteck

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