Rezension

Sleaford Mods

Eton Alive


Highlights: O.B.C.T.
Genre: Post-Punk
Sounds Like: The Fall // The Streets

VÖ: 22.02.2019

Das britische Duo aus Nottingham bleibt auch auf dem fünften Album dem Erfolgsrezept treu und setzt seinen Weg gepflastert mit einer ordentlichen Portion Wut auf so ziemlich alles und alle konsequent fort. Dieses Mal erstmals auf ihrem eigenen Label „Extreme Eating“.

Wie auf den bisherigen Alben richtet sich der verbale Rundumschlag von Texter Jason Williamson an so ziemlich alles, an dem man sich irgendwie aufreiben kann: Selbstdarstellerische Social-Media-Aktivitäten, Popkultur, das Establishment oder auch nur irgendeine Person auf der Straße, die sich in Williamsons Perspektive schwachsinnig verhält. Das ganze ausgedrückt in smarten wie passiv-aggressiven verbalen Auswüchsen, die, einmal in Fahrt gekommen, kein gutes Haar an dem auserkorenen Opfer lassen. Das Grinsen kann man sich an mehreren Stellen nicht verkneifen, was zu einem an der offenen und ehrlichen Ausdrucksweise des mittlerweile 49-jährigen liegt, zum anderem an dem unüberhörbaren East-Midland-Dialekt, der die nicht immer jugendfreie lyrische Darbietung äußerst sympathisch erscheinen lässt und Assoziationen an die britischen Post-Punks der 80er-Jahre hervorruft.

Verpackt wird das Ganze in minimalistisch-elektronischen Post-Punk von Andrew Robert Lidsay Fearn, der zweiten Hälfte des Duos am Laptop: Ein simpler Drum-Machine-Beat, darüber eine reduzierte Baseline oder Sequenz und musikalische Spielereinen, wie die Kazoo-Hookline in „O.B.C.T.“. Unkonventionalität war schon immer die erste Wahl, die sich auch in dem teilweise überraschend melodischem Sprachgesang von Williamson spiegelt.

Dass die beiden als Sprachrohr der britischen Arbeiterklasse gesehen werden, passt ihnen dabei genau so wenig wie die Sachen, gegen die sie so herzhaft pöbeln. Doch liegt genau darin der Reiz der Band. Denn dass sie die Sprache der Straße sprechen, ihre Lebenswirklichkeit in simple und gleichzeitig smarte Texte kanalisieren und dabei weder vor dem Politischen, noch vor dem Privatem oder sich selbst Halt machen, lässt sie zu Ikonen der Arbeiterschicht werden. Frei Schnauze, ohne Rücksicht auf Verluste und Empfindsamkeiten, mit erhobenem Mittelfinger Richtung intellektuellem Hipstertum und politische Elite. Sleaford Mods machen genau da weiter, wo sie aufgehört haben. Gott sei Dank!

Abhilash Arackal

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