Rezension

Sigur Rós

Kveikur


Highlights: Hrafntinna // Yfirborð // Stormur // Rafstraumur
Genre: Post-Rock
Sounds Like: Sigur Rós // Explosions In The Sky // Múm

VÖ: 14.06.2013

Da ist sie, die Wiedergeburt Sigur Rós'. Und das, obwohl die Band eigentlich nie richtig weg war. Doch als sie im letzten Jahr nach langer Pause mit dem sehr ambientlastigen, sehr ruhigen "Valtari" zurückkam, zunächst dann auch nur live ohne Multiinstrumentalist Kjartan Sveinsson, um später seinen Ausstieg bekanntzugeben, werden sich nicht wenige Sorgen gemacht haben, ob dieses magische, unvergleichliche, musikalische Funken sprühende Projekt so langsam einschlafen mag. Vor allem, da dann auch noch den Konzerten die gewohnte Magie irgendwie zu fehlen schien. "Valtari" wiederum schien mehr wie das unter dem Druck der Bandgeschichte entstandene Konstrukt, nach dem 2008er Werk "Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust" wieder ein besonderes, künstlerisches, magisches Album zu machen, als wie der wirkliche neue große Zauber. Am Ende des Jahres musste man sich tatsächlich die Frage stellen, ob Sigur Rós vielleicht doch auch nur Menschen sein sollten.

Auf den Konzerten Anfang 2013 ließ sich dieser Zweifel zum Glück ziemlich schnell wieder verneinen. Auch die neuen Songs, Vorboten des nun veröffentlichten "Kveikur", schienen vielversprechend und fügten sich nahtlos in den zurückgekehrten Zauber der Band ein. Die Ankündigung des neuen Albums "Kveikur" für den Juni weckte endgültig Hoffnung, dass die Band sich wieder gefangen habe und nun auf andere Weise ihren weiteren Weg bestreiten würde. Und diese Hoffnung lässt sich bestätigen, Sigur Rós sind wieder voll da. Mit ihrer bisher rockigsten Platte sind sie sogar in diesem Sinne so lautstark wie noch nie zuvor, da nehme man nur den brachialen Opener "Brennisteinn".

Was man dem Album klar anmerkt, ist, dass mit Bassist Georg Hólm und Schlagzeuger Orri Páll Dýrason die Rhythmusfraktion in der Kernband nun ein Übergewicht hat. Das Album ist sehr rhythmuslastig geworden, siehe z.B. die dängelnden Rhythmusgebilde im großartigen "Hrafntinna" oder die tief verzerrt brummenden Basstöne des Titelsongs "Kveikur". Allgemein fällt auch auf, dass die Songs sich im Vergleich zu früheren Überalben wie "()" oder "Ágætis byrjun" weniger ausufernd und geduldig aufbauen, sondern sich zwischen entweder Lärm oder leisen Übergängen und schönen Outromelodien abwechseln. Mit "Rafstraumur" gibt es das Mittelding, einen wunderschön-magischen Sigur-Rós-Popsong. Dass Jónsi stimmlich wie immer voll da ist und zu verzaubern weiß, ist müßig zu erwähnen. Seine unvergleichliche Stimme schwebt wie der Wind selbst über all dieser Musik, diesen Geräuschen, und verleiht ihr die gute alte Sigur-Rós-Magie.

Klar ist "Kveikur" kein neues "()", kein neues "Ágætis byrjun" und auch kein neues "Takk". Soll und will es aber auch gar nicht sein. Es ist ein neues zauberhaftes Album einer zauberhaften Band, die es trotz tiefliegender Änderungen zurück auf einen neuen, richtigen Pfad geschafft hat. Wieder kann man das Besondere an ihrer Musik schwer fassen, sondern muss es hören. Während "Valtari" sprituell eher einschläfernd war, ist "Kveikur" spirituell erweckend. Das wichtigste an diesem Album ist, vor allem im Vergleich zum Vorgänger, wie natürlich es klingt: Natürlich, aber doch nicht wirklich von Menschenhand. Sigur Rós eben.

Daniel Waldhuber

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Video zu "Kveikur"
Video zu "Brennisteinn"
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