Rezension

Shout Out Louds

Howl Howl Gaff Gaff


Highlights: Very Loud // Go Sadness // Please Please Please
Genre: Indie-Brit-Pop
Sounds Like: The Good Life // Mando Diao // The Arcade Fire // Bright Eyes

VÖ: 30.09.2005

Es ist schon unglaublich, wie viel Zeit es manchmal in Anspruch nimmt, bis Debüt-Alben aus dem Rest der Welt ihren Weg in die deutschen Läden finden. Wenn es sogar so lange dauert, dass sich jemand entscheidet, alte Songs zu streichen und durch neue zu ersetzen, ist irgendetwas schief gelaufen. Doch beschäftigen wir uns lieber mit der guten Musik, die man doch tatsächlich auf dem Album hören kann.

Die 4-Jungs-1-Mädel-Kombo hat sich nämlich anscheinend kräftig ins Zeug gelegt, um dem Hörer gleich mit dem ersten Album eine Art Best Of zu präsentieren. Das mag zugegebenermaßen auch an der umgeänderten Tracklist liegen, die es ihnen ermöglichte, auf dem Debüt sogar das Schaffen aus der Zeit nach der ursprünglichen Veröffentlichung zu präsentieren, aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass sie einfach gute Songs schreiben können. Denn es ist nunmal so: Jedes Lied spielt eine eigene Rolle auf "Howl Howl Gaff Gaff", man möchte keines missen. Sei es die erste Auskopplung "The Comeback", die es mit dem gleichmäßigen Beat alles andere als hektisch angehen lässt und einem dank der markanten Kombination aus Gitarren- und Keyboard-Melodie im Refrain sofort im Gedächtnis bleibt. Oder direkt danach "Very Loud", ein Stück Musik von aufbauender Natur und beinahe herzzerreißendem Text: "I wanna build, buildings high for you/ But the costs, my god the costs/ I can't afford you." Ein bisschen Vorstellungskraft ist hier gefragt: schwedischer Brit-Pop, gesungen von Conor Oberst oder Tim Kasher, und schon ist man gefährlich nah dran an den Shout Out Louds.

Best Of, Greatest Hits, Singles Collection - alles trifft irgendwie zu, betrachtet man die Großzahl von potenziellen und tatsächlichen Singles. Um genau zu sein gibt es nur 2 Ausnahmen, den ruhigen, wunderschönen Song "Go Sadness" sowie das mit über acht Minuten schlicht zu lange letzte Lied "Seagull", das sich behutsam von Strophe zu Strophe steigert und unbekümmert nochmal loslegt, wenn man "Howl Howl Gaff Gaff" bereits für durchgehört hält. Ein feines Ende für ein Album, dessen Highlight jedoch in der Mitte liegt. So ist schließlich "Please Please Please" nicht mehr und nicht weniger als einer der heißesten Anwärter auf den Titel Song des Jahres! Hier beweist die Gruppe auf ein Neues, dass Schweden einfach ein Händchen für Pop-Musik haben. Es gibt ein leichtes Mittel, dies zu prüfen. Kommt es einem so vor, als habe man das Lied schonmal irgendwo gehört, weil man nicht zu erklären vermag, wie es sonst ein solcher Hit sein kann, hat die Band alles richtig gemacht. "But I try to find out what to do with my life" - Musik machen natürlich!

Mario Kißler

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