Rezension

(Sandy) Alex G

Rocket


Highlights: Poison Root // Proud
Genre: Indie // Lo-Fi
Sounds Like: Guided by Voices // Grandaddy // J Mascis // Bellows // Built To Spill // Elliott Smith // The Shins

VÖ: 19.05.2017

(Sandy) Alex G weiß, dass er keinem mehr etwas beweisen muss, und das ist auch gut so. Spätestens seit dem Hype, den er mit „DSU“ auslöste, ist der Name des Mittzwanzigers aus Philadelphia vielen ein Begriff. Nach immer wieder ausverkauften Vinyl-Neuauflagen seiner Alben und seinem Mitwirken bei Frank Oceans letzten Platten dürfte es um das Ego des kauzigen Meisters des 90er-Nostalgie-Bedroom-Pop ganz gut stehen. „Rocket“ ist das neue Album von (Sandy) Alex G, dass genau diese Attitüde ausstrahlt, mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen.

Das Positive: „Rocket“ ist wahnsinnig vielfältig und mutig, spielt mit Jazz- und Countryanleihen und mag die Fans der früheren Alben dadurch sicher überraschen. Das Tolle ist, dass das ziemlich oft ziemlich gut funktioniert. „Proud“ könnte auch ein Bright-Eyes-Song sein, „County“ mit seinen Synthieklängen klingt schön verträumt und „Bobby“ bekommt sogar eine Fiedel verpasst.

Doch im Verlauf des Albums fällt „Rocket“ zunehmend auseinander, verliert sich in fragmentarischen Klangexperimenten, klingt zerfahren und unkonzentriert. (Sandy) Alex G sagt selbst über „Rocket“, dass er das Ziel hatte, mit jedem Song eine Geschichte aus der Perspektive eines anderen Charakters zu erzählen und ständig den Blickwinkel zu wechseln. Das mag erklären, warum „Rocket“ nicht unbedingt als kohärentes Gesamtwerk funktionieren will, aber es entschuldigt nicht die Schwächen der einzelnen Songs, wenn man sie für sich betrachtet.

Und so steht man am Ende von „Rocket“ da und ist sich nicht sicher, was man von dem Ganzen halten soll. Vielleicht versteht man auch nur die Ideen des kauzigen Musikers nicht richtig, vielleicht liegt es an der eigenen Beschränktheit des Hörers. Vielleicht ist (Sandy) Alex G mit diesem Album aber auch einen Schritt zu weit gegangen, einem Werk, das eher danach klingt, als ob er es eher für sich selbst geschrieben hat anstatt für irgendeine Art von Publikum. Das mag vielleicht hart klingen, aber nach den bisherigen Veröffentlichungen von (Sandy) Alex G ist „Rocket“ leider eine Enttäuschung, auch wenn sicherlich nicht alles schlecht ist an diesem Album. Hoffen wir, dass es beim nächsten Mal keine Fehlzündung gibt.

Kilian Braungart

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