Rezension

Samavayo

One Million Things


Highlights: Go // Wait // Control // Shallow Man
Genre: Alternative Rock
Sounds Like: Foo Fighters // 4lyn // Thumb

VÖ: 19.02.2010

Zugegeben: Es wäre sicher nicht schwierig, Samavayo spontan scheiße zu finden. Denn das Gewinnen eines Bandwettbewerbs – in der Coolnessskala nur knapp über „Castingshow“ angesiedelt – zeugt für gewöhnlich nicht gerade von Originalität oder musikalischem Wagemut, wenn dieser dann auch noch von einem Konzern wie Coca Cola gesponsert wird, der sowieso Satan in der Chefetage sitzen hat, ist der Anspruch auf Sympathie bei vielen gleich verspielt. Die auf Myspace vorgetragene Bitte, bei MTV Rockzone doch bitte für die Band zu voten, wird dann auch eher dazu führen, dass zumindest beim Plattenkaufen bestimmt nicht für eben jene „gevotet“ werden wird. Indie-Credibility adé.

Aber: Von sowas lassen wir uns ja eigentlich nicht beeinflussen, sondern hören uns erstmal die Musik an. Und siehe da: Was da auf Samavayos Debüt „One Million Things“ herauskommt, ist zwar in der Tat weder unbedingt originell noch wagemutig, sondern der eher erwartete radiotaugliche Alternative Rock, der den ersten Teil dieser Bezeichnung eigentlich kaum verdient – aber etwas anderes machen auch die Foo Fighters kaum, und die darf man ja auch okay finden, ohne gleich aus Scham sein Spex-Abo kündigen zu müssen.

Von Songs der Güteklasse „Learn To Fly“ oder „The Pretender“ sind Samavayo noch ein ganzes Stück entfernt – aber gegen die beiden kraftvollen Opener „Go“ und „Wait“ kann eigentlich nur meckern, wer das Genre per se nicht mag, das eine oder andere Riff von „Shallow Man“ würden auch die Queens Of The Stone Age so abnicken und das mit arabischen Klängen unterlegte „Teheran Girl“ und das funkige „Control“ sorgen für Abwechslung innerhalb des Albums. Der Rest von „One Million Things“ ist solide – mit allen Assoziationen, die dieses Wort beinhaltet. In Zukunft könnte Sänger Behrang den Wohlklang seiner Stimme vielleicht hin und wieder gegen mit etwas mehr Aggression oder ähnlichem würzen, die Band weniger klischeehafte Texte schreiben und – ganz wichtig – sich hinter die Binde schreiben, dass Songtitel und -texte wie We keep on rollin' („Rollin“) seit Limp Bizkit verdammt nochmal tabu sind. Aber solche Fehler darf man bei einem Debüt noch machen – und irgendwann ist dann hoffentlich auch der Nachgeschmack weg, diese „Coca-Cola-Band“ zu sein.

Jan Martens

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