Rezension

Rival Sons

Feral Roots


Highlights: Back In The Woods // Feral Roots // Shooting Stars
Genre: Bluesrock // Retro-Rock
Sounds Like: Led Zeppelin // Deep Purple // Wolfmother

VÖ: 25.01.2019

„Zurück zu den Wurzeln“ wollen Bands ja in schöner Regelmäßigkeit mal. Nach zehn Jahren Bandgeschichte sind auch die Rival Sons bei diesem Wunsch angelangt und verpassen ihm auch gleich einen angemessen wurzeligen Titel. Allerdings gilt für gestandene Retro-Rocker eben, was für alle anderen auch gilt: Sie werden nicht jünger – ein Fakt, den „Feral Roots“ beim Zurückbesinnen zum Glück nicht ignoriert.

Die ungestüme Energie der großen Vorbilder – allen voran Led Zeppelin – lassen die US-Amerikaner mittlerweile ganz gelassen Jungspunden wie den 2018 schwer gehypten Greta Van Fleet. Dafür stellen sie Ansprüche an die etwas gesetzteren Aspekte klassischer Hardrock-Sounds, was sich gerade im Vergleich zum Vorgängeralbum „Hollow Bones“ zeigt: Die präzise angefunkten Fuzz-Brecher treten in den Hintergrund, stattdessen durchzieht „Feral Roots“ im Ganzen eine beschwingte, bluesige Lässigkeit, die natürlich alles Andere als neu oder besonders, mit derartigem Selbstbewusstsein gespielt aber eben auch nicht an jeder Ecke anzutreffen ist.

Ein groovendes Opener-Duo wie „Do Your Worst“ und „Sugar To The Bone“, ein Hardrock-Epos wie „Look Away“ oder das textlich bewusst an der Grenze zwischen Selbstvertrauen und Selbstgefälligkeit schrammende „Too Bad“ spielen sich eben nicht mal eben so runter. Dafür braucht es Erfahrung – und davon haben Sänger Jay Buchanan und Konsorten ja mittlerweile ein bisschen vorzuweisen. Entsprechend schlüssig fällt das Songwriting aus: Jeder Song hat, was er braucht, um zu funktionieren.

In der Konsequenz stellt sich „Feral Roots“ klanglich breit auf: Klar, verzerrte Riffs gibt's eine ganze Menge, dann aber wieder Folkrock à la „Battle of Evermore“ im Titeltrack, eine Soul-Ballade mit Gitarren-Klimax („All Directions“), Chöre in „Stood By Me“ und waschechten Gospel im fantastischen Rausschmeißer „Shooting Stars“. „End of Forever“ ziert sogar ein pluckernder Drumcomputer, wird von Jay Buchanan aber so in Blues und Soul geerdet, dass er problemlos zum Rest passt.

Überhaupt ist das große Wiedererkennungsmerkmal auf „Feral Roots“ mal wieder die Stimme des Rival-Sons-Frontmanns. Der lässt von klassischem Rockgesang über sanftes Crooning und verträumtes Säuseln bis hin zu markerschütternden Schreien kein Register aus und klang vielleicht nie besser, wandelbarer und glaubwürdiger – letzteres gilt vor allem für die beiden „Heimkehrer-Songs“ „Back In The Woods“ und „Feral Roots“. Die Rückkehr zu den Wurzeln ist hier nicht bloß Marketing-Hülse fürs neue Album, sondern textlich tatsächlich relevant. Passend, dass beide Tracks dann auch zu den klaren Highlights einer insgesamt gelungenen Platte zählen.

David Albus

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