Rezension

Rhiannon Giddens (With Francesco Turrisi)

There Is No Other


Highlights: Pizzica Di San Vito // He Will See You Through // Wayfaring Stranger
Genre: Folk // Oper // Gospel // Alte Musik // Country
Sounds Like: Our Native Daughters // Tracy Chapman // Gillian Welch // Patsy Cline

VÖ: 03.05.2019

Schon Rhiannon Giddens letztes Album “Freedom Highway” konnte man im Jahr 2017 zu den Jahreshöhepunkten zählen, und hätte sie dieses Jahr nicht noch “There Is No Other” mit Francesco Turrisi veröffentlicht, hätte möglicherweise ihre Kooperation mit Amythyst Kiah, Leyla McCalla und Allison Russell als Our Native Daughters und deren Album “Songs Of Our Native Daughters” einen noch größeren Eindruck hinterlassen. Aber hinter “There Is No Other” muss vieles zurückstehen.

Giddens und Turrisi erkunden hier die musikalischen Verbindungen zwischen Europa, Afrika und Amerika. Sie zeigen, wie sich diese über amerikanische wie mediterrane Folklore, über alte Musik, über Oper, über Gospel und über Jazz erstrecken. Natürlich darf eine solche Platte nicht ahistorisch sein, sondern sollte die Geschichte und damit nicht zuletzt die afroamerikanische Geschichte reflektieren, und dies tun Turrisi und Giddens selbstverständlich.

Die Qualität dieser Platte gründet nicht nur im Talent der beteiligten Musiker und in der Jahrhunderte und Stile spannenden Auswahl der Stücke. Vor allem ruht sie in der Schönheit der Endprodukte und in der Intensität, die Giddens und Turrisis ihrem Vortrag verleihen. Dabei ist es vermutlich nicht selbstverständlich, dass eine Musikerin, die vornehmlich im amerikanischen Folk aktiv ist und zudem Oper studiert hat, und ein Multi-Instrumentalist, der primär in alter Musik und Jazz zuhause ist, so wunderbar zusammenfinden, wie es hier geschieht.

So gesellt sich auf der Platte Musik mit traditionell amerikanischem, europäischem und afrikanischem Ursprung so zueinander, dass die Gemeinsamkeiten aller im Vordergrund stehen. Jedes einzelne Lied auf “There Is No Other” glänzt voller Schönheit, voller glorreicher Erhabenheit, und die Platte in ihrer Gesamtheit lässt sich als Beweis für die Universalität von Musik hören und zudem – wie die Plattenfirma zutreffend schreibt – als Zeichen der Gemeinsamkeit menschlicher Erfahrungen.

“There Is No Other” ist eine außergewöhnliche Platte. Dies gilt nicht nur, weil sie verstandsmäßig musikalische Ursprünge nachvollzieht und Gemeinsamkeiten aufzeigt. Es gilt vor allem, weil sie dies Intellektuelle zwar schafft, aber in der Intention wie auch im Ergebnis emotional agiert und glänzt.

Oliver Bothe

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