Rezension

Remo Drive

A Portrait Of An Ugly Man


Highlights: True Romance Lives // A Flower And A Weed
Genre: Pop-Punk
Sounds Like: The Get Up Kids

VÖ: 26.06.2020

Remo Drive waren 2017 eine Anomalie in der Emo-Szene. Während die Mehrzahl der Bands des Genres tiefgreifende, emotional-persönliche Storyteller-Werke veröffentlichen, ist „Greatest Hits“, das Debüt der US-Band, lebhaft, springt quer durch Rhythmen, orientiert sich textlich viel eher am Pop-Punk und gibt sich charmant-arrogant. Der Internet-Underground ist sofort angetan, Remo Drive signen beim beliebten Label Epitaph, eigentlich sieht alles ziemlich gut aus.

Drei Jahre später steht mit „A Portrait Of An Ugly Man“ bereits das dritte Album in den Startlöchern und von der anfänglichen Euphorie ist nicht mehr viel übrig. Die Band hat bereits ein wenig geliebtes Zweitwerk veröffentlicht, sich von ihrem Drummer getrennt und besteht jetzt lediglich noch aus dem Brüderpaar Erik und Stephen Paulson. Album Nummer Drei soll es jetzt wieder richten.

„A Portrait Of An Ugly Man“ bringt viele neue Einflüsse mit. Auf der Single "Star Worship" ist Classic Rock unverkennbar, eine Western-Romantik zieht sich durch die gesamte Platte. Ansonsten schreit alles auf „A Portrait Of An Ugly Man“ nach einer Rückkehr zur Leichtigkeit des Debüts. Doch die Songs fühlen sich selten befreit an und verkrampfen insbesondere in den Songtexten, die keine Mitte zwischen Ernst und Witz zu finden vermögen. Momente, wie die zweite Hälfte von "True Romance Lives", wenn sich der Song in mehrstimmige Ekstase hochspielt, bleiben die Ausnahme. Dagegen steht der Kitsch einer halbgaren Western-Komödie, überproduzierte Gitarren und ein Midtempo auf Albumlänge.

Das größte Problem des Albums sind aber die vollkommen apathischen Drums. Nach dem Abgang von Drummer Sam Mathys scheinen die Rhythmen schlicht nicht mehr im Songwriting mitgedacht zu werden. Austauschbare Muster und das Dumpf-in-den-Hintergrund-Mischen, machen selbst den Höhepunkten des Schlagzeugspiels den Garaus. Der Rhythmus der Platte hängt allein an Paulsons Vocal Delivery, die diese Last nicht zu tragen vermag und die Songs regelmäßig in Richtung Belanglosigkeit führt.

Remo Drive haben immer noch einen Sound, der relativ einzigartig eine Lücke zwischen Emo, Pop-Punk und Indie-Rock ausfüllt. Wenige Momente auf „A Portrait Of An Ugly Man“ lassen erahnen wohin dieser Sound die Band tragen könnte, wenn das Songwriting weniger verkopft und die Rhythmen weniger statisch wären. Nur ein Jahr nach „Natural, Everyday Degredation“ fühlt sich „A Portrait Of An Ugly Man“ insgesamt zu sehr nach einem gewollten Stilbruch an, der sich am Ende doch zu sehr an Altem entlanghangelt. Der nach wie vor spannende Sound der Band kann ohne ein Songwriting, das ihn einzusetzen vermag, leider nicht zurück zu alter Stärke finden.

Robin Jaede

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