Rezension

Preoccupations

New Material


Highlights: Espionage // Antidote
Genre: Post-Punk // No-Wave // Rock
Sounds Like: Joy Division // The Cure // Bauhaus // Lea Porcelain // Editors // Interpol

VÖ: 23.03.2018

Wie einfach kann, beziehungsweise darf man es sich als Band bei der Benennung seiner Werke machen? Preoccupations werfen diese Frage in dem Raum .Noch dreister wäre wohl wirkliche nur „tba“ gewesen – oder „s/t“, dennoch haben es die Preoccupations schon recht weit auf der „ist das deren Ernst?“-Skala geschafft, als bekannt wurde, dass das neue Album einfach nur „New Material“ heißen würde. Einfallslosigkeit schon im Titel, das kann ja eigentlich nichts werden. Andererseits: Das schlicht „New Song“ betitelte Stück von Warpaint ist auch ein Kracher. Das Cover hingegen: Große Kunst. Betonbrutalismus trifft auf einfache, geometrische Raumformen, die sich zu einem raumgreifenden Ganzen verbinden.

Die Kombination aus beidem beschreibt den Sound dieser Platte ganz gut: Die kühle, von Post-Punk und No-Wave beeinflusste, teils industrialartige, kalte Atmosphäre der Platte, die sich sichtlich zwischen der musikalischen Entwicklung von Manchester 1977 bis Berlin 1982 orientiert, dabei jedoch leider streckenweise recht einfallslos daherkommt. Die erste Single „Espionage“ ist als solche gut gewählt, hat sie doch den treibendsten Refrain der gesamten Platte. Zum Post-Punk zählte man das kanadische Quartett zwar schon immer, „New Material“ dürfte allerdings ihr rauestes Werk sein. Eine Überraschung bietet lediglich das Ende: "Compliance" kommt als Instrumental daher, welches fast in den Synthiepop abgleitet.

Mehr denn je müssen sie sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, eine (durchaus bessere) Joy-Division-Sound-A-Like-Band zu sein. Zum einen hat Matt Flegels Stimme eine Ähnlichkeit zu Ian Curtis, zum anderen ist „New Material“, wie bereits geschrieben, technisch nur Nuancen vom Sound der Briten entfernt. Was Preoccupations dabei jedoch abgeht, ist die Enge, die Katharsis, das Verzweifelte, das die frühen 1980er ausmachte. Es ist halt alles gut und „nett“ und eine durchaus gelungene Hommage an diese raue Zeit – man merkt jedoch, dass Preoccupations nicht die mangelnden Zukunftsperspektiven erleben mussten, die den Post-Punk hervorbrachte.

Klaus Porst

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"Antidote"
"Espionage"

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