Rezension

Pinegrove

Marigold


Highlights: Dotted Line // Moment // Phase // Alcove
Genre: Indie // Emo
Sounds Like: The Decemberists // The Weakerthans

VÖ: 17.01.2020

In Zeiten von Streaminganbietern und dauerhafter Verfügbarkeit suchen sich Bands immer wieder neue Möglichkeiten, ihr Album zu promoten. Pinegrove haben sich etwas Besonderes einfallen lassen und vor einiger Zeit die Noten von „Marigold” online gestellt, sodass jeder schon zwei Wochen vor Release die Möglichkeit hatte, die Songs selbst zu spielen. Ergebnis war, dass man sich auf dem Instagram-Account der Band mehr oder weniger erfolgreiche Versuche einiger Fans anhören konnte und so vielleicht schon einen klitzekleinen Eindruck von der neuen Platte gewinnen konnte. Dennoch: Von der Band um Evan Stephans Hall klingt „Marigold” um einiges schöner.

Schon die ersten Klänge von „Dotted Line” holen den Hörer in das wohlige Pinegrove-Universum. Die einzigartige Stimme Halls, der repetitive Refrain, die melodische Gitarre und die schlichten Drumklänge hätten so auch auf den Vorgängerplatten erscheinen können. Das findet sich auf „Marigold” noch mehrmals, etwa in „Moment”, trotzdem haben sich die US-Amerikaner durchaus weiterentwickelt. Bestes Beispiel dürfte hier „Alcove” sein, das starke Folk-, fast schon Country-Einschläge hat und der Band schon einige Vergleiche mit Bands wie The Decemberists eingebracht hat. Überhaupt, Pinegrove scheinen sich weiterhin an wenig Grundsätze und vermeintliche Regeln, etwa, was typische Songlängen angeht, zu halten. So finden sich auf „Marigold” das nicht einmal eine Minute lange „Spiral” bis zum mehr als sechsminütigen Abschluss „Marigold”, die Band findet einfach das richtige Gefühl für das Ende ihrer Stücke. Nicht umsonst ist eines ihrer ältesten und besten Lieder, „Angelina”, nur gute anderthalb Minuten lang.

Nicht nur für die einzelnen Songs, auch das Album als Ganzes wirkt durchdacht und in sich stimmig. Trotz der vielfältigen Ansätze scheint ein dezenter roter Faden durch „Marigold” zu führen, ohne dass an irgendeiner Stelle Längen entstehen. So lässt sich für die Band hoffen, dass die Promo-Aktion den einen oder anderen neuen Hörer auf sie aufmerksam gemacht hat, verdient hat sie es allemal.

Lewis Wellbrock

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