Rezension

Phantom Winter

Into Dark Science


Highlights: The Initiation Of Darkness // Godspeed! Voyager
Genre: Postmetal // Doom // Blackmetal
Sounds Like: Amenra // Celeste // Omega Massiv // Downfall Of Gaia

VÖ: 02.03.2018

Wirklich produktiv sind Phantom Winter: "Into Dark Science" ist bereits das dritte Album der Würzburger seit 2015. Einst aus wortwörtlich dem Massiv entstiegen (die Vorgängerband hieß Omega Massiv), entschloss man sich vor vier Jahren, neue Wege zu gehen – und das, obwohl die Vorgängerband mit zu dem Besten gehörte, was deutscher, instrumentaler Doommetal zu bieten hatte. Als Phantom Winter sind sie nicht mehr instrumental unterwegs, die doomigen Gefilde haben sie jedoch nicht verlassen.

Vielmehr, so zeigt es sich, haben Phantom Winter ihren Stil ausgebaut. Statt instrumentalen, kolossalen Epen versammeln sie nun Black Metal, Doom und Shoegaze zum Blackgazestil. Angenehm für die Ohren ist das keineswegs, was auch am neuen Element liegt: dem Gesang. Zweistimmig sind Phantom Winter unterwegs, mit tiefen Growls einerseits, fiesem Kreischen andererseits. Gerade letzteres ist eine Tortur und dürfte selbst für viele Genreaffine auch der Knackpunkt sein, ob man mit dieser Band etwas anfangen kann oder nicht. Ähnlich wie Amenra, mit deren Frühwerk "Into Dark Science" vergleichbar ist, kann der Kreischgesang ganz schön nerven. Bisweilen, etwa in "Ripping Halos From Angels", geht dieses Kreischen, beziehungsweise Keifen, sogar in eine Art Quäken über und hier überspannen Phantom Winter den Bogen etwas. Das ist an dieser Stelle sogar doppelt schade, da Phantom Winter mit ihren Lyrics durchaus etwas zu sagen haben. Anders, als die Songtitel zunächst suggieren, drehen sich die Texte um aktuelle Themen wie Feminismus.

Im Vergleich zu den anderen beiden Alben ist "Into Dark Science" hörbar noch kompromissloser, noch rauer, noch sperriger. Während die genannten Amenra ihren Sound und vor allem ihre Produktion stetig perfektionieren, vollziehen Phantom Winter die Rolle rückwärts und steuern immer mehr aufs Chaotische zu. Das ist in seiner Konsequenz schon beeindruckend und ballert vor allem Live sicherlich aus allen Rohren, die Frage eben ist nur, ob man das Stimmliche erträgt oder nicht.

Klaus Porst

Hören


"Frostcoven"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.