Rezension

Peter Doherty

Hamburg Demonstrations


Highlights: I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone) // The Whole World Is Our Playground // Hell To Pay At The Gates Of Heaven
Genre: Singer-Songwriter
Sounds Like: The Libertines // Babyshambles

VÖ: 02.12.2016

Zugegeben, als Fanboy beziehungsweise Fangirl ein Album des Lieblingskünstlers zu rezensieren, ist nicht immer die beste Idee. Schnell läuft man dabei Gefahr, den objektiven Blick zu verlieren, negative Entwicklungen zu übersehen und sich in endlosen Lobhudeleien zu verlieren. Kann ja nicht schlecht sein, ist ja schließlich der Lieblingskünstler.

Beim Rezensieren eines Peter-Doherty-Albums muss man sich darüber in der Regel jedoch keine Sorgen machen. Denn egal ob mit oder ohne Fanbrille, die Alben des Singer-Songwriters aus Hexham sind konstant auf einem derart hohen Niveau, dass sie durchweg positive Resonanz in den Blogs und Magazinen dieser Welt erfahren. Sein neuestes Werk „Hamburg Demonstrations“ ist hier keine Ausnahme. Doherty gelingt es auch dieses Mal wieder, ein wirklich tolles Album zu veröffentlichen.

Im Gegensatz zu seinem 2009 erschienenen Debütalbum „Grace/Wastelands“, welches überwiegend akustische Singer/Songwriter-Stücke enthielt, zeigt Doherty auf seinem neuen Album eine deutlich größere musikalische Vielfalt. Angefangen beim poppigen Opener „Kolly Kibber“ über das swingende „The Whole World Is Our Playground“ bis hin zum schrammligen „Down For The Outing“ zeigt sich Doherty musikalisch dieses Mal deutlich abwechslungsreicher als noch auf seinem Solodebüt.

Dass Doherty nach wie vor auch zu einem der größten Songwriter unserer Generation zählt, wird auch nach „Hamburg Demonstrations“ niemand ernsthaft bezweifeln. Besonders deutlich wird dies im Song „Hell To Pay At The Gates Of Heaven“, welcher die Terroranschläge in Paris im letzten Jahr thematisiert. „Come on boys, choose your weapons / J-45 or an AK-47?“ singt Doherty dort, in Anlehnung an die bevorzugten Waffen von Terroristen (AK-47) und an eine Gibson-Akustikgitarre (J-45), die unter anderem aufgrund von Musikern wie John Lennon oder Woody Guthrie zu einem Friedenssymbol wurde. Im Song “Down For The Outing” beweist Doherty dagegen ein wenig Selbstironie, wenn er sich mit Worten wie “Sorry for all the good things that I’ve done / Gave you hope when there was none“ bei seinen Eltern “entschuldigt”.

Am besten jedoch ist Doherty immer dann, wenn er melancholisch über die Schönheit und Verletzlichkeit der Liebe singt. “And you made your fortune but you broke inside / Stand up there in front of the whole world / And you don't feel them songs no more / Oh me, Oh my, Amy / You won't be coming down tonight.“ Berührende Worte, mit denen sich Doherty im Song “Flags From The Old Regime” gefühlvoll von seiner langjährigen Freundin Amy Winehouse verabschiedet, derren Tod er bis heute nicht überwunden hat. Dass Dohertys Herz jedoch nicht nur gebrochen ist, beschreibt er wunderschön mit wenigen Worten im Song “I Don’t Love Anyone”, welcher in gleich zwei Versionen auf dem Album enthalten ist. “I don’t love anyone / but you’re not anyone / you’re not just anyone to me.”

So überzeugt Doherty am Ende wieder einmal und “Hamburg Demonstrations” ist ein Album geworden, das man eigentlich nur gut finden kann – egal ob mit oder ohne Fanbrille.

Benjamin Schneider

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Video zu "The Whole World Is Our Playground"
Video zu "I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone)"

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