Rezension

Pascow

Jade


Highlights: Kriegerin // Heute Jäger, Morgen Taucher (Erwachen II) // Wunderkind
Genre: Punk
Sounds Like: Love A // Frau Potz // Oma Hans // ...But Alive

VÖ: 25.01.2019

Als Pascow Anfang 2014 den „Ekeln aus Tirol“ und der „Merkel-Jugend“ den (leicht unter dem Kapuzenpulli versteckten) Mittelfinger entgegenstreckten, war die Kacke zwar auch schon am Dampfen, der ganze politische Fäkalienhaufen brannte aber noch lange nicht so lichterloh wie nun, fünf Jahre später. Einen dementsprechenden Wutbrocken hätte man dann von den ewigen JuZ-Punkrockern erwarten können – aber die Gimpweilerer waren noch nie eine Band, die einfach nur Erwartungen erfüllt.

Klar – manche Songs auf „Jade“ sind unverkennbare Kinder sowohl ihrer Zeit als auch ihrer Schreiber: „Kriegerin“ wütet gegen die Kommerzialisierung menschlicher Grundbedürfnisse durch Vittel, „Heute Jäger, Morgen Taucher“ zeichnet das Bild einer Zukunft, in der die heutigen Hetzer selbst aus dem Mittelmeer gefischt werden müssen, nachdem sie ihre Heimat zerstört haben. Wo Gefeile an der bandtypischen Punk-Blaupause, die schon vor zehn Jahren funktionierte, hier fehl am Platz wären, entdecken Pascow auch immer öfter den Reiz weiblicher Backing Vocals oder einfach den Groove für sich, etwa im Liebes- und Abschiedslied „Marie“.

Genau dieser Song zeigt auch, wie Pascow dem Jahr 2019 (und dem dritten Jahrzehnt ihrer Bandkarriere) begegnen: Mit einer gewissen Nostalgie und dem Blick zurück auf die Tage, an denen zwar auch vieles scheiße war, aber immerhin auf eine schöne Art – inhaltliche Konzepte wie das „Trampen Nach Norden“ vom Debütalbum finden sich in gewisser Weise auch hier wieder, nur im Präteritum statt Präsens. Und wie man all den Ballast der Vergangenheit noch würdevoll auf den Schultern tragen kann, zeigt „Wunderkind“, mit seiner Klavierbegleitung fast schon balladesk und das heimliche Highlight des Albums.

Jan Martens

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