Rezension

Palm

Rock Island


Highlights: Composite // Bread // (Didn't What You Want) Happen
Genre: Math-Rock // Post-Punk
Sounds Like: Beach Boys // Animal Collective // Deerhoof // Viet Cong

VÖ: 09.02.2018

Heavy-Metal-Platten rückwärts abspielen und dabei satanische Botschaften entdecken? Was eine schöne Legende. Bei Palm aus der Math-Rock-Schmiede Philadelphia verhält es sich anders. Bereits bei regulärem Gebrauch scheint ihre Musik in die falsche Richtung zu laufen und wirkt dabei doch ziemlich happy. Mit „Rock Island“ dürften sie damit nun auch in Europa durchstarten.

Denn das zweite Album der vierköpfigen Band klingt wie der verrückte Traum eines Roboters, der zu viele Katzenvideos schauen musste und dabei die Beach Boys hörte. Da ist es schon eine ordentliche Leistung, dass Palm ihre offensichtlichen Referenzen an Brian Wilson und Kollegen oder Animal Collective niemals loswerden und dabei trotzdem so klingen, als erfänden sie gerade das Rad neu.

Ein kleines technisches, aber nicht ganz unerhebliches Detail bei der Sache: Palm steuern mit ihren Gitarren unter anderem Midi-Samples an. Ihre ohnehin schon vertrackte Spielweise entgleitet so jeglichem instinktiven Hörverständnis und wirkt noch maschinenhafter. Die Gitarre wird zum reinen Werkzeug degradiert und natürliche Grenzen von Rockmusik aufgebrochen. „Rock Island“ ist dennoch nicht zu schwerfällig und verkompliziert. Denn dafür finden sich ausreichend zuckersüße Spielereien („Theme From Rock Island“, „Color Code“) und sonnige Harmonien („Pearly“, „Composite“, „Heavy Lifting“) auf der Platte wieder.

Nach ihrer hervorragenden EP „Shadow Expert“ aus dem vergangenen Jahr und dem ungeschliffenen ersten Album „Trading Basics“ präsentiert sich „Rock Island“ als Palms bislang eingängigstes Werk. Mit Kasra Kurts und Eve Alperts charmantem gesanglichen Wechselspiel, ihren Gitarren, die nach Steel Drums klingen, sowie Bassist Gerasimos Livitsanos’ und Drummer Hugo Stanleys vertrackter Rhythmusarbeit liefern Palm auf „Rock Island“ dekonstruierten Post-Punk in Höchstform ab.

Jonatan Biskamp

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