Rezension

Ólafur Arnalds & Nils Frahm

Collaborative Works


Highlights: M // Life Story // Trance Frendz
Genre: Elektronische und organische Soundtüftelei
Sounds Like: Brian Eno // Chopin // Oscar Schuster

VÖ: 30.10.2015

Für die einen ist es nur Gefrickel, für die anderen die feinfühligste und filigranste Jam-Session der Welt. Nils Frahm und Ólafur Arnalds bringen mit „Collaborative Works“ nicht nur eine Zusammenstellung ihrer bisherigen gemeinsamen Arbeiten heraus, sondern mit „Trance Frendz“ auch eine Live-Improvisation, die eigentlich nur zu Promozwecken geplant war – tatsächlich aber das Herzstück dieser Veröffentlichung geworden ist. Sie zeigt auf beeindruckende Art und Weise die musikalische Verbundenheit und Freundschaft zweier Musikergenies.

Die Freundschaft zwischen Nils und Óli begann genau dort, wohin sie mit „Trance Frendz“ zurück gekehrt sind: in der Live-Improvisation. Schon seit 2011 treffen die beiden immer wieder aufeinander, um gemeinsam Musik zu erschaffen. Selbst, wenn sie sich für einige freie Tage treffen, um zu wandern, zu schwimmen und Pizza zu essen, landen sie doch immer wieder in Nils' Durton Studio in Berlin, um am Klavier, an den Synthies und mit allerhand tollen Gerätschaften Lieder aufzunehmen. Der Film „Trance Frendz – An Evening With Ólafur Arnalds And Nils Frahm“ zeigt auf wunderbare Art und Weise, wie Nils und Óli interagieren: sprechen müssen sie dabei nicht viel, sie kommunizieren über die Musik miteinander. Alexander Schneider hat sie einen Abend und eine Nacht lang bei den Aufnahmen der Session begleitet und alles mit der Kamera aufgezeichnet. Zum großen Glück für alle, die nun den intimen Prozess der Entstehung wunderschöner Musikstücke mit verfolgen können. Denn durch die bewegten Bilder, die jedem Hörer nun einen Einblick gewähren, werden die Lieder beim Anhören wesentlich intensiver und eindringlicher.

Der zweite ndash; aber eigentlich erste und ursprünglich als Veröffentlichungsgrund gedachte Teil der „Collaborative Works“ ndash; ist eine Collage aus den vergangenen Studio-Experimenten von Nils und Óli. Darauf sind die teils raren Vinyl-Eps „Loon“, „Stare“ und „Life Story Love And Glory“ zu finden, die zwischen 2012 und 2015 heraus gekommen sind. Sie zeigen die Bandbreite, in der Óli und Nils sich musikalisch bewegen: zwischen Ambient, Electronik, nachdenklichem Klavierspiel und klassischer Musik bewegen sich die Tracks.

„Life Story“ ist ein schönes, verschrobenes Klavierstück geworden, bei dem allerlei Hintergrundgeräusche allerdings das „reine“ Klavierspiel unterbrechen – und es so wiederum unkonventionell machen. „M“ dagegen ist ein sich aufberstendes, sphärisches Elektronik-Stück, das durch seinen plötzlichen Ausbruch überrascht. „A2“ ist ein fließender, elektronischer Ambient-Track, der vom Synthesizer-Klang angetrieben wird und dennoch warm und organisch klingt.

Diejenigen Hörer, die Nils Frahms und Ólafur Arnalds Werk nicht nur als Gefrickel abtun möchten, sondern die es als die feinfühligste und filigranste Jam-Session der Welt wahrnehmen möchten ndash; die sollten sich für dieses Werk Zeit nehmen. Sie sollten sich dieser Musik ganz widmen, den wundervollen Film zu den Aufnahmen gleich mehrmals anschauen, um die beiden besser verstehen zu können ndash; und sich in die Welt dieser zwei Musikgenies fallen lassen.

Marlena Julia Dorniak

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Ein Abend mit Ólafur Arnalds & Nils Frahm - "Trance Frendz", 2015
Ólafur Arnalds & Nils Frahm - "Four"
Ólafur Arnalds & Nils Frahm - "A2"
Ólafur Arnalds & Nils Frahm - Live Improvisation, 2011 (Roter Salon, Volksbühne Berlin)

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Ólafur Arnalds & Nils Frahm - "Life Story"

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