Rezension

Okkervil River

The Stand Ins


Highlights: Loast Coastlines // Starry Stairs // Pop Lie
Genre: Folk-Indierock
Sounds Like: Bright Eyes // Arcade Fire // Shearwater

VÖ: 12.09.2008

'Wie, schon wieder ein neues Okkervil-River-Album?', mag sich manch einer gedacht haben, als im Spätsommer dieses Jahres die Meldung die Runde machte. Aber es war kein verächtliches "schon wieder", keine Genervtheit ob übertriebener Bandpräsenz, eher schwang leise Bewunderung in den Stimmen mit, Bewunderung für Will Sheffs scheinbar unerschöpfliche Kreativität. Vielleicht ist der Begriff 'Wunderkind' nicht unangebracht für jemanden, der für's meisterhafte Vorgängerwerk 'The Stage Names' mal eben so viele brauchbare Songs geschrieben hat, dass gleich noch ein zweiter Tonträger nötig ist, um alles unterzubringen. Anstatt eines Doppelalbums, was vermutlich jeden Rahmen gesprengt hätte, erschien also im September 'The Stand Ins'. Verwechslungen der Albumnamen inbegriffen.

Ein bisschen geschummelt hat Sheff dann aber doch. Lediglich acht der elf Lieder sind "richtige" Songs, ergänzt wird das Ganze durch die Instrumentalfetzen "Stand Ins, One", "Stand Ins, Two" und "Stand Ins Three". Nach kurzer, sphärischer Einleitung stolpert der Hörer mitten hinein in "Lost Coastlines" und wird umfangen vom Prototyp des Okkervil-River-Songs. Zaghaft euphorisch, getragen von Sheffs stets melancholischer, leicht heiserer Stimme. Der Einsatz von Jonathan Meiburgs (geborgt von Shearwater) unglaublichem Bariton mag für eine Sekunde erschrecken, hievt den den Song dann jedoch auf eine ganz neue Ebene. Auch wird der Beweis geliefert, dass "lalalalas" ein Lied nicht zwangsläufig ruinieren müssen, zumindest wenn sie so gekonnt eingesetzt werden wie hier. Ein Meisterwerk des Indie-Pops? Ja!

Klassischer schließt sich "Singer Songwriter" an. Zornig Vorgetragenes aus dem Genre "Powercountry", das auch direkt von Conor Oberst geliehen sein könnte. Außerdem erwähnenswert: "Pop Lie", der endgültige Beweis dafür, dass Okkervil River das Tempo für sich entdeckt haben. "The Stage Names" wird hier konsequent zuende gedacht. Nichtsdestotrotz schließt "The Stand Ins" nicht ganz an die klare Brillianz des Vorgängers an. Die besten Songs sind eben doch im ersten Kapitel dieses Okkervil-River-Buches gelandet. Vielleicht muss im Fall von Will Sheffs Band eh eher das Gesamtwerk 2008 betrachtet werden: Ein gutes Album plus grandiose Konzerte plus Restbonus von "The Stage Names" ergibt eine der besten Bands dieser Jahre.

Lisa Krichel

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