Rezension

Neufundland

Wir Werden Niemals Fertig Sein


Highlights: Alles Was Bleibt // Bis Es Stimmt // Trink Aus
Genre: Pop-Rock
Sounds Like: Tele // Bilderbuch // Fotos

VÖ: 17.11.2017

Klischee mit einem Körnchen Wahrheit: Rockmusik ist hart, rau, dreckig und kantig. Darum ist sie ja auch nach Felsen benannt und heißt nicht Murmel- oder Glasmusik. Ist sie zu glatt, zu poliert, wirkt sie daher leicht zu steril und wenig authentisch. Hat Neufundland vielleicht niemand gesagt, bevor sie sich Mengenrabatt aufs Schleifpapier geholt haben.

„Wir Werden Niemals Fertig Sein“ ist mit Sicherheit kein schlechtes Album – weder für sich gesehen noch im Kontext anderer deutschsprachiger Rockdebüts der letzten Jahre. Es leidet nur zum Teil daran, dass viele seiner Stärken auch zugleich an Schwächen grenzen: Fabian Langers Gesang ist so ausdrucksstark wie variabel, jedoch auch kristallklar genug für die exotische Underdog-Rolle in jeder Castingshow. Hinsichtlich ihrer Strukturen sind die Songs abwechslungsreich genug, mal von kraftvollem Bass, mal von ambienten Gitarrenflächen getragen, jedoch mag man gerade bei den zahlreichen, ausgedehnten Synthie-Flächen und -spielereien fast schon einen Musikmarktforscher als Ghostwriter vermuten. Die Texte von Imperfektion und Unangepasstheit schließlich umschiffen Themeninseln von Liebe und heiler Welt recht geschickt – werden jedoch durch ihren musikalischen Kontext geradezu Hohn gestraft.

Ihre wirklichen Stärken wiederum heben Neufundland sich fast komplett für die zweite Albumhälfte auf: Riffs. Gitarren- oder Bassläufe wie in „Trink Aus“ oder „Bis Es Stimmt“ hätten nicht mal die Chainsmokers oder Deep Purple an infektiöser Simplizität überboten und verdeutlichen nur noch mehr, wie sehr eine Band wie Bilderbuch für „Wir Werden Niemals Fertig Sein“ Pate stand. Um den lasziven Sexappeal der Wiener zu erreichen, sind die Kölner von Neufundland dann aber einfach zu saubere Burschen.

Jan Martens

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