Rezension

Nation Of Language

Introduction, Presence


Highlights: September Again // On Division St // Indignities // The Wall & I
Genre: Synth-Pop
Sounds Like: Human League // New Order // Joy Division

VÖ: 28.08.2020

Oh nein, nicht schon wieder die 80er! Die Ära der High-Waist-Jeans, toupierten Frisuren und Musikkassetten feiert gerade wieder ihre x-te Wiederauferstehung. Wobei sie musikalisch eigentlich nie wirklich weg war. Trotzdem auffällig, wie viele Bands und KünstlerInnen sich besonders in den letzten Jahren dem Synth-Pop- und Wave-Klang der „dunklen Epoche“ zugewandt haben. Ein richtiges Sättigungsgefühl will sich dennoch nach wie vor nicht einstellen, auch wenn viele krachend daran gescheitert sind, den Sound der 80er zu kopieren oder gelungen in die Neuzeit zu übertragen. Ausgerechnet ein Newcomer-Trio aus Brooklyn zeigt direkt mit seinem Debüt, wie man es richtig macht.

Nation Of Language schütteln mit „Introduction, Presence“ mal eben zehn Hits aus dem Hut, als ob es nichts wäre. Dabei gelingt ihnen auch noch das Kunststück, gleichzeitig wie jede und wie keine bestimmte Band der 80er zu klingen. Will heißen: Es schneit im Laufe des Albums mal so ziemlich jeder berühmte Name am Ohr vorbei. Ob Joy Division im düsteren und bassdominierten „Indignities“, Human League im wunderbar melancholischen „The Motorist“, New Order in der fantastischen Abschlusshymne „The Wall & I“, OMD, Tears For Fears, A Flock Of Seagulls... You name it. Und dennoch sind all diese Reminiszenzen nur Momentaufnahmen, die kurz aufflackern und dann auch schon wieder vorbei sind.

Denn Nation Of Language klingen vor allen Dingen unglaublich frisch und eben nicht nach angestaubten alten Helden. Einen großen Anteil daran hat Sänger Ian Richard Devaney, dessen Stimme nicht nur authentisch die 80er heraufbeschwört, sondern auch noch verdammt wandelbar daherkommt und ein Charisma ausstrahlt, das mittlerweile extrem selten geworden ist. Aber auch nicht seine beiden MitstreiterInnen sollten nicht vergessen werden: Aidan Noell an den Synthies und Michael Sue-Poi am Bass haben ein Gespür für Melodien, das nicht mehr feierlich ist. Wenn man zu diesen doch nur mal wieder in einem stickigen Clubkeller tanzen könnte...

Das liest sich jetzt alles wahrscheinlich unerhört euphorisch und vollkommen übertrieben. Vermutlich ist diese Lobhudelei auf Nation Of Language es auch. Aber was soll man schon zu einem Album schreiben, das, wäre es vor 40 Jahren erschienen, heute mit großer Sicherheit als Klassiker gelten würde? Während sich andere Bands aktuell mit Corona-Recordings am Fließband in kreative Sackgassen manövrieren, hauen drei New Yorker Kids eben diese Hitmaschine raus. Oh ja, schon wieder die 80er!

Benjamin Köhler

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Video zu "On Division St"
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