Rezension

Mount Kimbie

Cold Spring Fault Less Youth


Highlights: Home Recording // You Took Your Time // Blood And Form // Made To Stray
Genre: Elektro-Pop
Sounds Like: James Blake // Django Django // Alt-J // Jamie Woon

VÖ: 24.05.2013

Der Drang, Musik in bestimmte Genre-Schubladen zu stecken, ist so alt wie…ja, wie alt eigentlich? Seit gefühlt immer kategorisieren wir Bands nach Genres. Und es hilft auch nicht, uns einzureden, dass alles, was heutzutage aufgenommen wird, früher schon mal da war. Musik entwickelt sich auf irgendeine Art und Weise immer weiter. Aber hey, immerhin haben wir nicht den Fehler gemacht, uns für alles und jeden ein neues Genre auszudenken! Einfach eine „Post“-Silbe vor Dubstep gesetzt und dann hat man so schon mal alle Künstler unter einem Hut, die etwas entschleunigte Beatmusik machen. Neben James Blake wurden u.a. auch Mount Kimbie mit diesem Label für ihr Debüt „Crooks & Lovers“ gebrandmarkt. Doof nur, dass schon das Zweitwerk Anstalten macht, den Hut abzusetzen.

Und so unerwartet kommt das gar nicht. Der Wechsel zu Warp-Records, wo man bereits auf eine ganze Reihe experimenteller Elektro-Künstler verweisen kann, war ein erstes Zeichen, dass sich Mount Kimbie bei „Cold Spring Fault Less Youth“ ordentlich austoben werden. Zwei elementare Veränderungen stehen dabei hauptsächlich im Vordergrund.

Im Gegensatz zur ersten Platte verlassen sich Dominic Maker und Kai Campos nicht mehr nur auf rein elektronisch produzierte Sounds, sondern sie verschmelzen diese vielmehr mit analogen Instrumenten. Das machen sie so geschickt, dass man teilweise gar nicht mehr auseinanderhalten kann, ob der Klang nun aus der Konserve kommt oder ob er live eingespielt wurde. Der Opener „Home Recording“, in dem elektronische Percussion auf einen warmen Orgelsound trifft, ist hierfür ein Paradebeispiel unter vielen. Nicht mal Mezzo Mix hätte zwei Dinge besser zueinander führen können.

Die andere Neuerung ist ebenfalls von Beginn an hörbar und zieht sich durch das gesamte Album: es gibt Vocals, es gibt viel davon und es wertet die Songs unheimlich auf. Wenn nicht der erst 19jährige Newcomer King Krule den Stücken einen düsteren Touch verleiht, greifen Campos und Maker selbst zum Mikrofon. Das hört sich dann im besten Fall so wie bei dem jetzt schon Hit des Jahres „Made To Stray“ an. Hot Chip lassen grüßen. Wer genau hinhört, merkt den Beiden allerdings auch an, dass sie nicht als Vocalisten auf die Welt gekommen sind. Aber wen das stört, der verscheucht auch Singvögel vom benachbarten Kirschbaum.

Irgendwie schaffen es Mount Kimbie auf „Cold Spring Fault Less Youth“ (ein Albumtitel, den man sich einfach nicht merken kann) dann obendrein noch, trotz aller Experimentierfreude ihren charakteristischen Sound beizubehalten. Sprich: Entwicklung ja, Neuausrichtung nein. Ob das allerdings noch reicht, um weiterhin als Post-Dubstep geführt zu werden? Der fleißige Kategorisierer hat nach dem Album wahrscheinlich Schweißperlen auf der Stirn.

Benjamin Köhler

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"Made To Stray" im Stream
"You Took Your Time" im Stream
"Blood And Form" im Stream

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