Rezension

Motorpsycho

Still Life With Eggplant


Highlights: Barleycorn (Let It Come Let It Be) // Hell // The Afterglow
Genre: Progressive-Rock // Psychedelic-Rock // Space-Rock // Jazz
Sounds Like: Dungen // Built To Spill // Pink Floyd

VÖ: 12.04.2013

Das wievielte „offizielle“ Motorpsycho-Album soll das sein? Genau: Das fünfzehnte. Unnötig, die Band vorzustellen und auch unnötig zu sagen, dass dieses fünfzehnte Werk von alten Hasen eingespielt wurde, die seit über 20 Jahren musizieren. Wunder erwartet man von Motorpsycho jedenfalls nicht. Was nicht heißt, dass die Band nicht für Überraschungen gut ist: Letztes Jahr erst veröffentlichte die Band in Kollaboration mit Ståle Storløkken als Death Defying Unicorn eine wahnwitzige, aber irgendwie auch etwas schwer hörbare und hochanspruchsvolle Rock-Oper. Klar auch, dass sich alte Männer gerne dem Jazz öffnen, wie das bei Death Defying Unicorn der Fall war.

Nun also ein neues, scheinbar hunzgewöhnliches Motorpsycho-Album. Inspiriert wurde dessen Albumtitel von einem Gemälde von Henri Matisse. Definitiv eine Randnotiz. Dass das Album im heimischen Brygga Studio in Trondheim aufgenommen wurde, wie schon „Demon Box“ und „Timothy’s Monster“ zuvor, ist wohl auch nebensächlich. Anders als noch bei „Back Hole, Blank Canvas“ (2008) hängt die Band nicht einfach und übermütig zig Songs hintereinander, sondern geht weitaus minimalistischer und nicht gerade zimperlich zu Werke. Erste Neuerung: Dieses Mal kein Album in Doppellänge, sondern fünf Stücke, die dieses Wort verdienen. Weniger Songs heißt dabei nicht unbedingt leicht verdaulich. Vieles, was die Platte als Death Defying Unicorn auszeichnete, wird hier fortgesetzt. Gott sei Dank aber nicht ganz so abgedroschen, sondern von Zeit zu Zeit des Öfteren eingängig.

Dabei ist der Spaß so vielfältig, dass man an sich jeden Song einzeln beschreiben müsste. Etwa wetzender Stoner-Rock und schwere Gitarren im 10-minütigen Opener, der sich zwischendurch eine Jamsession und den Jazz genehmigt. Das knallt und liegt erstmal schwer im Magen. Sogleich folgen kürzere, freundlich beschwingte und folkige Songs, die u.a. an Built To Spill oder Captain Beefheart oder auch Pink Floyd erinnern: in der Form selten von Motorpsycho gehört. Das ist aber nur die kurze Verschnaufspause vor dem Sturm. „Ratcatcher“ beansprucht über 17 Minuten lang Körper als auch Geist vollständig und ist dabei herrlich plakativ. Schweiß-Attacken bei dieser Progressive-Rock- und Psychedelic-Rock-Sause nicht ausgeschlossen.

„The Afterglow“ ist schließlich das Grande Finale. Ein Beinahe-Pop-Song, der einem fast schon peinlicherweise unglaublich gut gefällt. „Still Life With Eggplant“ ist alles andere als hunzgewöhnlich und mutig. Ein Motorpsycho-Album eben, an dem sich die Geister scheiden. Nicht die schlechteste Leistung für ein fünfzehntes Album.

Achim Schlachter

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