Rezension

Monophana

Girls On Bikes, Boys Who Sing


Highlights: The Benefit Of The Doubt // Courage // Hospitals For Freedom // I Will Be Wrong
Genre: Trip-Hop // Indietronic
Sounds Like: Portishead // Björk // Me & My Drummer // The Cranberries

VÖ: 20.10.2017

Was bedeutet Freiheit? Was bedeutet Glück? Für die einen sind es die ganz großen Dinge, an die sie denken, für die anderen die banalsten, die es gibt. „Girls On Bikes, Boys Who Sing“ drückt schon im Albumtitel zwei Entwürfe von Freiheiten und Glücksgefühlen aus, die leider nicht für alle Menschen selbstverständlich sind. Monophona sind auf ihrem neuen Album politischer und vielleicht auch etwas wütender als auf ihrem großartigen Vorgänger „Black On Black“. All das, was in den letzten zwei Jahren in der Welt passiert ist, hat es nach Aussage der Band unmöglich gemacht, nur über ihre persönlichen Angelegenheiten zu singen und die große Welt dabei auszuklammern.

Monophona sind Claudine Muno, Philippe Schirrer und Jorsch Kass aus Luxemburg, die mit ihrem neuesten Release bereits ihr Drittwerk veröffentlichen. Auch darauf schaffen sie es, ihren eigenen, düsteren, elektronischen und doch organischen Sound zu kreieren. Eine zarte Mischung aus Trip-Hop und Indietronic, die natürlich an Größen wie Portishead oder Tricky denken lässt, aber auch Einflüsse von Björk oder Fever Ray erahnen lässt. Ein wenig klingt das nach Me & My Drummer in ihren dunkelsten und ehrlichsten Momenten, nach der zauberhaften Verschrobenheit von Iamamiwhoami, nach der Wut von The Cranberries in den 2000ern.

„Benefit Of A Doubt“ war der erste Song, der für das Album entstanden ist. Geschrieben hat Claudine Muno, Sängerin bei Monophona, den Text dafür nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Eigentlich war nicht geplant, dass alle Texte des Albums so politisch werden, erzählte sie in einem Interview mit Hertz 87,9. Aber dann hätte es nicht mehr aufgehört mit den Anschlägen, es sei immer weiter gegangen. Da Muno Geschichte studiert hat und sich ohnehin aktiv mit der politischen Situation auseinandersetzt, hat sie dies auch in den Songs verarbeitet. Der Albumtitel sei unter anderem in Anlehnung an den Film „Das Mädchen Wadjda“ entstanden, außerdem beschäftigte Muno die irre Vorstellung, dass Männer mit schweren Kalaschnikows davor Angst haben, dass ein kleines Mädchen Fahrrad fährt, weil das der Anfang vom Ende sein könnte.

Das von ihr gezeichnete Cover des Albums ist Claudine Muno in einem Traum erschienen. Sie hatte plötzlich dieses Bild unserer Gesellschaft vor Augen, die mit einem Jenga-Spiel vergleichbar ist. Es wird immer mehr oben drauf gestapelt, während die Basis schon wackelt. Wem bei den ständigen negativen Nachrichten aus der ganzen Welt kalt und übel wird, der findet vielleicht in der Aufarbeitung der Thematik durch Monophona ein wenig Trost. Denn auch wenn alles noch so düster klingt, so spenden die eigentlich elektronischen Klänge eine wohlige Wärme, eine Sounddecke, die sich über einen legt. Bei Monophonas Musik kann man jedenfalls wunderbar darüber nachgrübeln, was die persönliche Freiheit ausmacht und im besten Fall sogar glücklich aus der Sache rausgehen.

Marlena Julia Dorniak

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