Rezension

Mono

The Last Dawn // Rays Of Darkness


Highlights: Land Of Tides/Glory // Where We Begin // Recoil Ignite
Genre: Klassik // Postrock
Sounds Like: Godspeed You! Black Emperor // Kronos Quartet // Caspian

VÖ: 24.10.2014

Mono spielen nicht nur Musik – Mono malen Bilder im Kopf. Schon die Eindrücke, die „Hymn To The Immortal Wind“ und „For My Parents“ hinterließ, waren am besten zu beschreiben, wenn man visuelle Assoziationen heranzog: von Sonnenaufgängen über dem Meer in etwa, oder von Schmetterlingen, die über weite Landschaften fliegen. Mit „The Last Dawn/Rays Of Darkness“ eröffnen Mono nun zwei neue Flügel in ihrem Museum und kontrastieren friedliche Schneelandschaften mit dunklen Gewitterpanoramen.

Zunächst könnte man meinen, dass sich die Japaner mit solch einer Zweiteilung ihrer größten Stärke berauben würden, da Epen vergangener Alben wie „Everlasting Light“ oder „Nostalgia“ sich eben dadurch auszeichneten, dass sich aus filigraner Zartheit langsam energiegeladene Song-Ungetüme ausbauten, die dabei nie ihre Schönheit einbüßten. Auch „Land Of Tides/Glory“ eröffnet „The Last Dawn“ noch auf ähnliche Weise, lässt pochende Drums das Fundament für ein immer mehr an Lautstärke zunehmendes Gitarrenriff bilden. Danach setzt der erste Teil dieses Konzeptalbums jedoch, an Bandmaßstäben gemessen, auf Minimalismus: In „Kanata“ und „Elysian Castles“ beispielsweise bilden simple, kurze Klaviermelodien die hellen Sterne, um die sich die Kosmen der jeweiligen Songs gemächlich drehen – die Supernova lässt bis „Where We Begin“ auf sich warten.

Doch auch wenn „The Last Dawn“ eher eine ruhigere Seite Monos abbildet – wirklich untypisch ist sie nicht. Im Gegensatz dazu steht „Rays Of Darkness“ und damit das erste Werk der Japaner seit 15 Jahren, das komplett auf klassische Instrumente verzichtet und stattdessen auf rohe Energie und Aggression setzt – und diesmal die Dunkelheit das Licht vertreiben lässt statt andersherum. So klingt das epochale „Recoil Ignite“ bereits bedrohlich, bevor seine Gitarrenwände sich in schwarze Nachthimmel aufbauen; auf „The Hands That Holds The Truth“, bei dem Envy-Frontmann Tetsu Fukagawa mitwirkt, brechen Mono zugunsten des Effekts düsterer Wut sogar mit ihrem Kredo, die instrumentale Ebene mit ihren Songs nicht zu verlassen. Wenn Mono mit „The Last Rays“ schließlich sechs Minuten verzerrten Gitarrenlärms an das Ende ihres Albums setzen, haben sie auf „The Last Dawn/Rays Of Darkness“ schließlich einen kompletten Bogen von hellstem Licht zu tiefster Dunkelheit gespannt und gezeigt, dass sie an beiden Extremen zuhause sind. Mono malen Bilder im Kopf – und auch schwarz-weiß können diese wunderschön sein.

Jan Martens

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