Rezension

Mono

For My Parents


Highlights: Legend // Nostalgia
Genre: Post-Klassik
Sounds Like: Sigur Rós // Clint Mansell & Kronos Quartet // Godspeed You! Black Emperor

VÖ: 07.09.2012

Selbst in diesem an sich schon nicht gerade tiefstaplerischen Genre, das der Postrock nun einmal ist, könnte man verlockt sein, eine Band wie Mono als etwas größenwahnsinnig zu bezeichnen – spätestens mit einem Album wie „For My Parents“: Drei der fünf Songs sprengen die Zehn-Minuten-Grenze, und dazu noch solche Titel! „Legend“ – größer als der Tod also. „Nostalgia“ – Schönheit, die die Vergangenheit überlebt. Klar, dass sich eine Postrockband damit zu viel vornimmt. Aber vergessen wir nicht: Mono waren schon immer mehr als eine Postrockband.

Auch dem Selbstverständnis der Band entspricht dieses festgefahrene Genre nicht – erinnern wir uns an ihr Interview mit uns aus dem Jahre 2009, in dem Gitarrist Takaahira Goto das Selbstverständnis der Japaner als Klassikband offenbarte. Und vor der Schönheit nämlich, die alleine schon der Opener „Legend“ emittiert, würden sich die meisten Postrockbands wohl eingeschüchtert verstecken – wo woanders eine lärmende Gitarrenwand nur bedrohlich in die Höhe gebaut wird, wirkt diese bei Mono wie ein Schmetterling, der durch einen Nebel filigranster Streichermelodien fliegt. Und wenn dieser nach knapp sechs Minuten wieder gelandet ist, wird der Song dann noch einmal wieder aufgebaut, bis er noch imposantere Höhen erreicht hat. Nach diesem Kunstwerk muss man sich erst einmal setzen.

Einen Song wie „Legend“ zu wiederholen, wäre dann doch etwas zu sehr Overstatement gewesen – und doch thronen Mono weiterhin über so gut wie allen Bands der instrumentalen Musik. So hätte ein Gänsehautgarant wie „Nostalgia“ Aronofskys „The Fountain“ vielleicht noch etwas opulenter gemacht, „Dream Odyssey“ fungiert als notwendige Ruhepause und schließlich „A Quiet Place (Together We Go)“... Nun ja, sähe man nach 20 Jahren Blindheit zum ersten Mal wieder einen Sonnenaufgang, würde man sich wahrscheinlich ungefähr so fühlen, wie die letzten Minuten dieses Songs klingen. Dass Mono so oft nur durch Assoziationen beschrieben werden können, zeigt, wie sehr sie sich dadurch auszeichnen, nicht nur – wie viele „Konkurrenten“ – handwerklich perfekt zu sein, sondern so sehr Gefühle anzusprechen, Bilder im Kopf zu malen, wie es sonst eben oft nur klassische Musik kann. Insofern ist jeglicher Vergleich mit anderen Postrockbands eigentlich sowieso fehl am Platze. Mono sind wie ihre Musik, sie schweben über allem, leuchtend und erhaben.

Jan Martens

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