Rezension

Moiré

No Future


Highlights: Sequence 1 // Opposites // System 100
Genre: Electro // Techno
Sounds Like: Machinedrum // Holy Ghost // Kelly Lee Owens

VÖ: 17.02.2017

Der Titel „No Future“ zusammen mit der abstrakten Darstellung des Union Jack auf dem Cover lassen den politischen Bezug des Zweitwerks des Londoner Produzenten Moiré erahnen. Überhaupt traut dieser sich mittlerweile auch musikalisch einen regionalen Anstrich zu. „No Future“ klingt durch die eingestreuten Vocal-Parts, etwa von MC DRS oder Grime-Poet James Massiah, noch etwas britischer als das Debüt „Shelter“. Die Menschheit wähnt Moiré in einem Teufelskreis unaufhaltsam auf ihre Selbstzerstörung zusteuern. Wie viele dieser Ansichten sich nun direkt musikalisch auf dem Album wiederfinden, sei dahingestellt, denn Moiré klingt insgesamt nach wie vor sehr düster.

Weiterhin überwiegen stählerne Beatkonstruktionen neben nebulösen Ghost-Samples und wummernden Bassgewittern – ästhetisch ausgestaltet und mit Auge fürs Detail arrangiert. „No Future“ lässt jedoch stärker als sein Vorgänger auch Raum für wärmere Passagen. Der Track „Bootleg“ verfolgt gar einen futuristisch-funkigen Ansatz. „System 100“ mit seinem weichen, fast souligen Sample wird erst durch den Stampfbeat in den Kosmos des Moiré zurückbeordert. Manche Tracks sind noch konsequenter für den Club geschaffen, wie etwa das sich stetig steigernde „Opposites“.

Es ist der Gesang, der das Album schließlich daran hindert, einen ähnlich hohen Grad an Perfektion zu erreichen wie „Shelter“. Oder legte das Debüt die Messlatte einfach sehr hoch? Jedenfalls wirkten Moirés Songs bisher unfehlbar und wie in Stein gemeißelt. Jetzt stolpert man an manchen Stellen über entrückt wirkende Einstreuer oder Rap-Parts, die einzelne Tracks sinnvoll ergänzen, aber den Fluss des Albums im Gesamten stören. So wirkt „No Future“ unter dem Strich etwas lang geraten, was sich darin zeigt, dass dieses Mal Einzelsongs über das Gesamtwerk herausragen.

Jonatan Biskamp

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"Lost You (feat. DRS)"

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"Jupiter"

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