Rezension

Meursault
Something For The Weakened
Highlights: Flittin' // Settling // Dull Spark
Genre: Folk
Sounds Like: Frightened Rabbit // Three Blind Wolves // Eagleowl // Bon Iver
VÖ: 05.10.2012

Vorbei sind die wilden Zeiten des Lagerfeuergepinkels und der Zungenküsse. Wer erinnert sich nicht an diesen Moment, in dem einem zum ersten Mal Neil Pennycook das Herz rausgerissen hat mit seinem furiosen Debütalbum „Pissing On Bonfires / Kissing With Tongues“, auf dem noch gekämpft, gelitten und geschrien wurde, das man immer wieder anhören musste, ganz egal wie weh es tat? Diese Zeiten sind schon seit dem gemäßigten Nachfolger „All Creatures Will Make Merry“ vorbei – und mit ihrem dritten Album nähern sich Meursault noch mehr dem mal versöhnlichen, mal einfach nur vor Resignation seufzenden sanften Folk an.
Statt harter Beats herrschen Akustikgitarre, Piano und Streicher vor, allenfalls Pennycooks Band gibt den Songs ab und an etwas Schwung. Das von einer sanft angeschlagenen Ukulele getragene „Thumb“ ist als Opener ein schon fast überdeutliches Statement dazu, wie sich Meursault nun anhören. „Something For The Weakened“ (allein der Titel spricht schon Bände) ist alles andere als ein schlechtes Album geworden, ganz im Gegenteil. Doch wenn man Meursault durch ihre hemmungslos vorantreibenden kantigen Songs kennengelernt hat, denkt man bei diesen neuen Stücken, die hin und wieder eine ähnliche Leidenschaft in Songwriting und Gesang aufblitzen lassen, immer wehmütig an diese alten Zeiten.
Doch genug der Vergleiche mit Vorgängeralben und dieser Messlatte, die man ohnehin kaum höher hätte legen können. Allein schon ein Song wie das frustrierte „Flittin'“ ist es wert, sich das neue Album von Meursault anzuschaffen.“To hell with romanticism“ – das sind Meursault, wie man sie am liebsten hat. Auch „Settling“ mit seinem ergreifenden Refrain und nicht zuletzt das großartige „Dull Spark“ sind hervorzuheben, das vollkommen zu Recht zur zweiten Singleauskopplung des Albums wurde. „For every time you hold me close to you, there’ll be a time you pull away, for every song of love I’ve ever heard there was a simple song of hate – and you tell me it’s all fine”. Hier brodelt es wieder unter der Oberfläche. Ohne ein letztes Aufbäumen gibt sich Pennycook eben doch nicht geschlagen, ganz egal, wie ausgelaugt er schon sein mag von diesem Wahnsinn, durch den wir alle irgendwie durch müssen. Vielleicht ist „Something For The Weakened“ auch einfach nur ein kurzes Durchatmen? Album Nummer vier wird es zeigen.
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