Rezension

Metric

Art Of Doubt


Highlights: Dressed To Suppress // Art Of Doubt
Genre: Indie-Rock // Synthie-Pop
Sounds Like: Blood Red Shoes // Chvrches

VÖ: 21.09.2018

Was für ein großartiges Jahr für alle Indie-Kids der 00er Jahre, wenn sich so viele Helden von damals im selben Jahr mit einer neuen Platte zurückmelden: Arctic Monkeys, Editors, We Are Scientists, We Were Promised Jetpacks – und nun auch Metric. Doch statt wie die Arctic Monkeys, die auf einmal mit nach hinten gegelten Haaren den Broadway für sich entdecken, oder die Editors, die sich im Dark Wave probieren, um neue Gefilde zu erschließen, bleiben Metric ihrer Erfolgsformel über weite Strecken treu. Straighter Indie-Rock mit poppigen Synthesizern und Emily Haines' Gesang als Markenzeichen. Kann man gut finden, muss man aber nicht. Denn seit dem Hitalbum „Fanaties“ von 2009 sind einige Jahre vergangen und nicht nur die musikalische Landschaft hat sich gehörig verändert, sondern auch die Erwartungshaltung der potenziellen Zielgruppe.

Zwar bemüht sich das kanadische Quartett, nicht nur ihren eigenen Katalog als Referenz zu haben, bleibt auf den zwölf Songs auf „Art Of Doubt“ jedoch meist im gewohnt sicheren und oft leider sehr voraussehbaren Popsongschema stecken. Lediglich im düsteren Titelsong „Art Of Doubt“ werden diese Raster gesprengt, mit leicht psychedelischen Klängen und einer gesanglich ausfahrenden Emily Haines. Insgesamt ist das Album gitarrenlastiger als vergangene, auch wenn Synthesizersounds nach wie vor präsent sind und wesentlich den Sound des Albums bestimmen. „Now Or Never Now“ erinnert mit den elektronischen Spielereien und den treibenden Drums an die letzte Bombay-Bicycle-Club-Platte, „Anticipate“ mit dem 80er-Jahre Pop-Synthesizer an eine unaufgeregte Chvrches-Version. Zwischendurch lugt zwischen den ganzen Soundflächen auch mal eine etwas härtere Indie-Kante à la Blood Red Shoes durch, wie im Opening-Riff des ersten Songs „Dark Saturday“. Die The-Kills-mäßige Vorabsingle „Dressed To Suppress“ ist ein legitimer Anwärter auf die Nachfolge vom 2009er Überhit „Help I’m Alive“ und offenbart gleichzeitig die Stärke von Metric: Es braucht nur einen Song, um wieder voll und ganz verknallt in diese Band, in diesen Sound zu sein und sich wieder wie 18 zu fühlen. Emily Haines schafft es nach wie vor, in kleinen Momenten Gänsehaut zu erzeugen und diese Frische und Unbekümmertheit von damals aufleben zu lassen.

Auch wenn sich Metric mit „Art Of Doubt“ weder neu erfinden noch einen wirklich relevanten Beitrag zur derzeitigen Indie-Rock-/Synthie-Pop-Landschaft beitragen, dürften sich die Indie-Kids von damals doch freuen. Sei es aus Nostalgie heraus, sei es für diese Momente, in denen das Gefühl von damals für kurze Zeit wieder sehr präsent ist, sei es aus der Gewissheit heraus, dass es in dieser schnelllebigen Musiklandschaft doch noch Konstanten gibt, auf die man stets zurückgreifen kann. Schön, dass Metric noch Metric sind.

Abhilash Arackal

Sehen


Video zu "Dressed To Suppress"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.