Rezension

Mark Lanegan Band

Blues Funeral


Highlights: Gray Goes Black // St. Louis Elegy // Ode To Sad Disco // Leviathan
Genre: Alternative Rock // Blues
Sounds Like: Tom Waits // The Gutter Twins // The Twilight Singers // Masters Of Reality

VÖ: 03.02.2012

Schwarze Kutte, tiefe Ränder unter den Augen, Dreck unter den Fingernägeln und eine Fahne, die auf harten Alkohol schließen lässt – wie der Totengräber aus dem Textbuch auszusehen hat, ist klar. Wie er klingt, allerdings nicht. Zumindest nicht ganz genau. Denn je nachdem, wer von beiden gerade die stärkere Platte aus der Gruft hebt, teilen sich Tom Waits und Mark Lanegan den Posten als Sprecher des Welt-Bestatterverbandes. Letztes Jahr stieg Tom nach gefühlter Ewigkeit aus der Gruft. 2012 legt Mark nach und führt die Beerdigung direkt im Titel. Kann nur finster werden.

Ist’s auch geworden. Nur ganz und gar nicht so, wie gedacht. Das mit acht Jahren bereits ordentlich Mottenkugeln ansetzende „Bubblegum“ schleppte noch heftige Gitarren herum, zeugte von Lanegans Zeit bei den Queens Of The Stone Age. Inzwischen waren da The Gutter Twins mit Kumpel und Kollege Greg Dulli (The Afghan Whigs) und Folk-Alben mit Isobel Campell (Belle & Sebastian). Auf „Blues Funeral“ liegt der Rock nun sechs Fuß unter Tage. Lanegan schaufelt die Erdbrocken auf den Sarg und nimmt sich dafür alle Zeit der Welt.

Das Werkzeug in der Hand haben nicht die Gitarren. Der Sänger von The Screaming Trees schrieb sein siebtes Album mt Drum-Computern und Keyboards. Drum sind nun Elektro-Beats und Synthies fleißig am Schaufeln. Ja, da klingen die ersten Takte des staubtrockenen „Ode To Sad Disco“ tatsächlich nach MGMT – bis die Grabesstimme diesen Gedankengang auch gleich wieder mit Geröll zuschüttet. Nie so offensichlich wie hier, aber doch behutsam auf dem ganzen Album haben sich elektronische Schnipsel eingeschlichen. So auch der pappige Beat des Whiskey-durchtränkten Orgel-Schleppers „St. Louis Elegy“. Darin: Zeilen wie „If these tears were liqour, i’d drunk myself sick“ – eines verdammten Tattoos würdige Lyrik. Texten konnte Lanegan halt schon immer.

Erstaunlich: Der Wandel im Klang rührt nicht von neuen Mitmusikern. Homme, Johannes, Dulli – es sind die alten Bekannten des 47jährigen, die diesen Totenmarsch mit anzettelten. Damit ist die Sache klar, Lanegan hat hier selbst fleißig Erde bewegt. Und das – wohlgemerkt – nach strammen 27 Jahren im Musikgeschäft. Dieser Gräber wird des Buddelns nimmer müde. Nie. Einer muss am Ende schließlich aufräumen. Ob er der Letzte mit der Schaufel sein wird? Möglich. Falls nicht, wird man ihn mit dem Ding in der Hand begraben. Sicher wie der Tod.

Gordon Barnard

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Download von "The Gravedigger's Song"

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