Rezension

Mac DeMarco

Salad Days


Highlights: Blue Boy // Passing Out Pieces // Chamber Of Reflection
Genre: Surf-Rock // Indie
Sounds Like: Kurt Vile // Weezer // Connan Mockasin

VÖ: 28.03.2014

„Salad Days“ bezeichnet im englischen Sprachgebrauch den Zeitpunkt, zu dem sich jemand auf dem Höhepunkt seines Schaffens oder Könnens befindet. Für den 23 Jahre jungen Mac DeMarco bedeutet das, 2014 seine bereits dritte Veröffentlichung in zwei Jahren vorzulegen und die ist aus verschiedenen Gründen überaus gut gelungen.

Nachdem Anfang 2012 die EP „Rock And Roll Nightclub“ experimentierfreudig und Glam-Rock-inspiriert daherkam, fand der eigene Stil noch im selben Jahr mit „2“ seine Abrundung. Ein Hit-Album quasi, das man durch seine kurze Spielzeit immer und immer wieder hören konnte. Eine beachtliche Karriere in kurzer Zeit – „Salad Days“ eben. Nun hat sich, Gott sei Dank, an allem nicht viel geändert. In der Zitathölle Musikbusiness kommt Mac DeMarco weiter ohne offensichtliche Referenzen aus. Man mag sich vielleicht vorstellen, wie The Kinks zugedröhnt versuchen würden, Surf-Rock zu spielen, aber lassen wir das – „Salad Days“ kann gut für sich sprechen. DeMarco hat ein Ohr für die richtige Melodie, den richtigen Takt, und schüttelt all seine Songs mit einer Leichtigkeit aus dem Ärmel, die ungemein einnehmend ist.

Zunächst ist es immer auch eine paradoxe Erfahrung, eine Platte des Kanadiers zu hören, zumindest wenn man den Typen Mac einmal erlebt hat. Irgendwo zwischen wildem Klassenkasper und begehrtem Charmeur albert der bei seinen Live-Shows herum, die Zunge aus dem aufgerissenen Mund mit der sympathischen Zahnlücke baumelnd. Immer wieder eckt er durch dieses Verhalten an und man könnte verleitet sein, ihn deshalb nicht für voll zu nehmen, doch genaues Hinhören offenbart sein Talent.

Denn ein simples Gitarrenriff und die hervorragende Rhythmusarbeit reichen schon, um den Hörer an ein sonniges, sehr entspanntes, fernes Plätzchen zu entführen. Nebenbei entstehen beim Herumspielen am Synthesizer dann noch Kracher wie „Passing Out Pieces“, das wie eine durch den Fleischwolf gedrehte Überlieferung der Beatles auf Sgt. Pepper klingt. Nie wirkt „Salad Days“ dabei angestrengt cool oder bemüht. Alles, was DeMarco hier anpackt, scheint ihm dafür zu locker und natürlich von der Hand zu gehen.

Seine Attitüde zeigt sich gleich zu Beginn der Platte unmissverständlich. „Blue boy // worried about the world’s eyes // ... calm down, sweetheart, grow up!“. Egal also, was die anderen sagen, Mac DeMarco zieht weiter sein Ding durch. Ein Ende seiner kreativen Hochphase scheint daher nicht in Sicht.

Jonatan Biskamp

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