Rezension

Lygo

Schwerkraft


Highlights: Festgefahren // Lautlos // Flughafen
Genre: Posthardcore // Punk // Rock
Sounds Like: Turbostaat // Muff Potter // Heisskalt

VÖ: 07.09.2018

Preschende Drums und die Stimmen von Simon und Jan sind das Erste, was man auf der neuen Lygo-Platte zu hören bekommt. Schon nach wenigen Sekunden ist man eingestimmt auf das, was da kommen mag. Lygo führen mit „Schwerkraft“ ihren angestachelten Punk des Debüts „Sturzflug“ und der folgenden EP „Misere“ schonungslos weiter.

Ein unbestimmtes Gefühl zwischen Aufbegehren, Wut und Resignation stellt sich bereits beim Opener unter der Minuten-Marke „Alles Ist Egal“ ein. Im nahtlos folgenden „Festgefahren“, der zweiten Single-Auskopplung von „Schwerkraft“, berichtet die Band mit gewohnt rastlosem Gesang und treibenden Instrumentalparts von innerer Zerrissenheit, dem Scheitern an den eigenen Ansprüchen und dem tief sitzenden Gefühl, sich selbst einfach nicht genug zu sein.

Mit „Lautlos“ erschafft die Band eindrucksvolle Bilder und vertont den Zwiespalt zwischen Resignation und Aufbruch. Denn unter all dem Dreck, den das Leben so anspült, blitzt Zuversicht auf. Einfach und dennoch bestechend verdichten Gitarre und Bass die Atmosphäre durch den Wechsel von melodiösen Zwischenparts und schnellen, schnörkellosen Riffs, während das Schlagzeug die aufgekratzten Gesangsstimmen ungebremst antreibt.

Bedrückend ehrlich verlangen Lygo mit „Schwerkraft“ eine kompromisslose Auseinandersetzung mit den Missständen der Gesellschaft ab, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu schwingen – und das ist vielleicht die wahre Qualität dieser starken Veröffentlichung.

Sönke Holsten

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