Rezension

Love A

Jagd Und Hund


Highlights: 100.000 Stühle Leer // Der Beste Club Der Welt // Modem // Brennt Alles Nieder
Genre: Post-Punk // Indierock
Sounds Like: Trend // Turbostaat // Koeter // Trümmer

VÖ: 27.03.2015

Das mit dem „Wasser predigen und Wein trinken“ ist ja immer so eine Sache. Klar ist Massentierhaltung scheiße, aber wenn nach dem Feiern der Magen knurrt, sind die McNuggets eben doch 'ne Option. Die Handyfritzen auf den Konzerten nerven, aber wenn du nur mal eben schnell dieses eine Bild von der Tocotronic-Show twitterst, ist das ja wohl was Anderes!? Wirklich konsequent zu sein ist fast unmöglich, das haben auch Love A gemerkt. Schön jedoch, dass die es mit Humor nehmen.

Love A begegnen so einigen Menschentypen und Verhaltensmustern, die man im Alltag beobachten kann, gerne mit beißender Ironie oder auch einfach einem ausgestreckten Mittelfinger – das ist seit „Eigentlich“ und „Irgendwie“ bekannt, in denen auch schon mal Spießerkindern das Ertrinken an den Hals gewünscht wurde. Nun fügt sich ein Song wie „Der Beste Club Der Welt“, der hemmungslos gegen Szene-Hipster schimpft, exzellent in dieses Schema ein – nur dass die „Verpiss Dich, Adolf“-Jutetasche, die in der Liste der Pöbeleien mit aufgeführt wird, mittlerweile auch als Merchandise-Artikel von Love A angeboten wird. Wenn in „Trümmer“ die digitale Welt mit all ihren Neigungen zu Selbstdarstellung und Shitstorms angeprangert wird, dann passiert das nicht, ohne dass die Trierer parallel dazu 1-A-Clickbaits auf ihre Facebookseite setzen. Selbst recht deutliche Ansagen wie Brennt alles nieder, fickt das System werden noch mit ...aber lasst mich erstmal schlafen gehen ins Lächerliche gezogen („Brennt Alles Nieder“). Diese Zeile darf dann sogar noch von einem Kirchenchor geschmettert werden – so schließt eine Band wie Love A ein Album ab.

Manchmal können aber scheinbar selbst Love A nur resignieren: Man muss nicht alles mögen, man muss nicht alles ändern wollen heißt es dann in „100.000 Stühle Leer“, und nur wer mal aufgestanden ist, der darf sich setzen und darum bleiben hier so viele Stühle leer. Man hat es eben nicht leicht inmitten so vieler Rückgratloser, und so klingen sie in solchen Songs dann auch nicht mehr so zappelig wie früher, sondern melancholischer, in sich gekehrter. Ganz allgemein schreibt „Jagd Und Hund“ die Präfixe „Indie-“ und „Post-“ vor dem Punk größer als jemals zuvor, was sich beispielsweise im Wien-Kniefall „Ein Gebet“ bemerkbar macht, der ausnahmsweise mal nicht Partei gegen, sondern für etwas ergreift. Hierbei handelt es sich um einen der schwächeren Tracks auf „Jagd Und Hund“. Schimpfen können Love A eben doch am besten. Auch konsequent.

Jan Martens

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