Rezension

Linkin Park

One More Light


Highlights: Talking To Myself // Good Goodbye
Genre: Pop
Sounds Like: Coldplay // One Direction // Avicii // Kiiara // Robin Schulz // Maroon 5

VÖ: 19.05.2017

Des öfteren bereits sahen sich Linkin Park Vorwürfen ausgesetzt, im Grunde doch ziemlich einfache Popmusik mit Gitarren zu sein. Nun, mit „One More Light“ lässt sich sagen: Linkin Park sind Popmusik, größtenteils sogar ohne Gitarren. Dieses Album ist selbst für Hartgesottene, die in den letzten Veröffentlichungen der Band immer noch eine Spur des Geistes früherer Tage sehen, ein Schock. Dabei ist es nichts Neues, wenn „Rockbands“ von ihrem gewohnten Pfad abweichen, um mal etwas Anderes auszuprobieren, dabei gelegentlich sogar deutlich eingängiger werden – siehe Muse, Killers und vor allem Editors. Linkin Park jedoch setzen diesen Entwicklungen die Krone auf und treten dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Da wäre die Ankündigung der ersten Single „Heavy“. Eine absurde Mogelpackung aus Songtitel und Inhalt, indem Sängerin Kiiara als Feature „Why Is Everything So Heavy“ singt und dabei klingt wie das federleichte Popsternchen, welches sie auch ist. Da wäre weiterhin das Verhalten Chester Benningtons, der die Vorabkritik zum Album als Anlass nimmt, all jenen „auf die Fresse zu geben“ oder sie gar „umbringen“ zu wollen, die den neuen Stil kritisieren, oder der völlig abstruse Streit Mike Shinodas mit einem Gitarrenhersteller um den Sound der Platte. Souveränität geht anders. Dabei ist „One More Light“ an sich kein Konzept, welches man in Grund und Boden kritisieren müsste, wäre nicht die Ausführung so, wie sie ist. Denn „One More Light“ ist nicht nur Populärmusik, es ist völlig verzichtbarer Chartseinheitsbrei ohne jeglichen Anspruch. Hochgepitschten Autotune und Autoscooterbeats inklusive. Wären Linkin Park nicht bereits eine hochdekorierte Band mit mutmaßlich einer Handvoll Multimillionäre, man würde ihnen vorwerfen, alles nur wegen größtmöglichem Umsatz zu tun.

Was bleibt, ist die Frage, was das denn eigentlich soll. Linkin Park haben sich diverse Untergenres des Pop angeschaut und überall den größtmöglichen Durchschnitt herausgezogen. „Sharp Edges“ etwa zitiert den Wohlfühlfolk und „Battle Symphony“ Schlager-EDM. Da hilft es auch nicht, dass zwei, drei der Stücke recht eingängige Popnummern sind, die durchaus im Radio laufen können, ohne dass dabei jemand zu Schaden kommt. Die Grundfrage ist nach all den Jahren aber schon, ob das der Anspruch ist, den die Musiker an sich selbst haben.

Klaus Porst

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"Good Goodbye"
"Battle Symphony"

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