Rezension

Liam Gallagher

As You Were


Highlights: I’ve All I Need // Wall Of Glass
Genre: Britpop
Sounds Like: Beady Eye // Oasis

VÖ: 06.10.2017

Müsste Liam Gallagher seine eigene Platte rezensieren, wäre es selbstverständlich eine 5/5. An mangelndem Selbstbewusstsein hat es dem „letzten großen Rock’n’Roll-Star“, wie er sich selbst gerne nennt, schließlich noch nie gemangelt. Auch wenn seine letzte Band (Beady Eye) nicht wirklich überzeugen konnte, und er in seinem tiefsten Innern wahrscheinlich weiß, dass Oasis vor allem wegen seines Bruders und nicht wegen ihm so erfolgreich war.

Nun erscheint knapp drei Jahre nach der Auflösung von Beady Eye Gallaghers Soloalbum „As You Were“, und in der Tat liefert das Album den einen oder anderen Grund, Liams immenses Selbstbewusstsein zu rechtfertigen. So beginnt „As You Were“ gleich mal mit dem großartigen Song „Wall Of Glass“, der dem Album mit Mundharmonika, scheppernden Drums und altgedienten Gitarrenriffs die weitere Richtung vorgibt: schnörkelloser Rock’n’Roll ohne größere Kompromisse. Das nachfolgende „Bold“ nimmt diesen Schwung gleich mit und erweitert das musikalische Repertoire mit Streichern und Piano zu einer klassischen Popnummer. Und auch wenn das Album im weiteren Verlauf den ein oder anderen eher mittelmäßigen Song („You Better Run“, „I Get By“) mit sich bringt, ist „As You Were“ auf jeden Fall das Beste, was Liam ohne seinen Bruder bislang musikalisch hinbekommen hat.

Vor allem in Sachen Songwriting, was definitiv nicht zu den Stärken Gallaghers gehört, ist eine positive Entwicklung zu erkennen. So sind es hier vor allem die überraschend sanften und ruhigen Worte, die auf „As You Were“ überzeugen können. Allen voran das fantastische letzte Stück des Albums „I’ve All I Need“, in dem Gallagher ungewöhnlich reflektiert und reumütig die Trennung von Nicole Appleton thematisiert: „There's no time for looking back / Thanks for all your support / Slow down, all things must pass / Take your time, know the score.“ Das alles reicht am Ende zwar dann nicht ganz für eine objektive 5/5, doch „As You Were“ ist ein Album geworden, das keinesfalls das Selbstbewusstsein eines Liam Gallaghers schmälern wird, im Gegenteil.

Benjamin Schneider

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