Rezension

Karnivool

Asymmetry


Highlights: Nachash // We Are // The Refusal
Genre: Progrock
Sounds Like: Tool // Porcupine Tree // Oceansize

VÖ: 19.07.2013

So abstrakt es auch zunächst klingen mag, Folgendes zu behaupten: Mit „Asymmetry“ mögen Karnivool einen eher unpassenden Namen für ihren Drittling gewählt haben. Denn mit einigem Abstand wirken die ca. 68 Minuten progressiven Rocks eher gleichmäßig und eben wie ein perfekter Kreis – was diesmal den Reiz einer Band, die vielleicht mehr als jede andere einen Supportslot für Tool verdient hätten, leider manchmal etwas mindert.

Oder, anders gesagt: „Sound Awake“, der Zweitling der Australier hatte eindeutige Hits – melodische Leuchttürme wie „All I Know“ oder verdichtete Brecher wie „Set Fire To The Hive“, in denen die Band ihre ausufernde Spielfreude, ihren musikalischen Entdeckungstrieb noch zügeln und auf den Punkt bringen konnte. „Asymmetry“ mag zwar hinsichtlich seiner technischen Perfektion noch ausgefeilter als sein Vorgänger sein, doch geht dies oft zu sehr auf Kosten der einzelnen Songs und zu Gunsten eines oft weniger griffigen Gesamtwerks, das sich mit dem Intro, dem Titeltrack und „Amusia“ gleich drei ambiente bis atonale Interludes gönnt.

Ein Song – ja, kein Track, ein Song – wie „We Are“ mit seinem klar erkennbaren Spannungsbogen ist da die mitreißendste Ausnahme (und, kaum überraschend, die erste Single), „The Refusal“ ein packender, fünfminütiger Kampf zwischen der melodiösen und keifend-aggressiven Seite der Band. „Aeons“ wiederum starrt beinahe schon gen Postrock der Sorte Russian Circles – als ob Karnivools Spektrum noch nicht weit genug wäre! Dass sich auch sonst auf "Asymmetry" Momente der Genialität sammeln, der Rezensent jedoch selbst nach zweistelligen Durchläufen nicht in der Lage ist, diese einzelnen Tracktiteln zuzuordnen, führt uns nur wieder zum einzigen, aber eben nicht ganz unwichtigen Manko dieses Albums. Hätte der Song in der Hierarchie Karnivools höher als die Idee an sich gestanden, wäre „Asymmetry“ möglicherweise das „Aenima“ oder „Lateralus“ der Australier geworden – dass diese Band noch Raum nach oben hat, lässt aber dafür umso gespannter ihre Zukunft erwarten.

Jan Martens

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