Rezension

Justin Timberlake

Futuresex / Lovesounds


Highlights: My Love // Lovestoned/I Think She Knows Interlude // Losing My Way
Genre: Future Pop / Electro Soul
Sounds Like: Prince // Michael Jackson // Nelly Furtado // Gnarls Barkley

VÖ: 08.09.2006

Justin Timberlake, ja der von Britney und Cameron und N’Sync. Der mit „Cry Me A River“, der sich nicht benehmen kann – siehe spiegel.de. Der hat ein neues Album, auf das ich ziemlich gespannt gewartet habe. Umso mehr, nachdem ich die erste Single „SexyBack“ gehört hatte.

Nicht dass dieser Song übermäßig toll wäre, nein, eher weil er schwer verdaulich, in jeder Hinsicht (für mich) neu war, weil er auf kreative und innovative Art und Weise das Genre R’n’B in Richtung Funk erweiterte, das machte ihn attraktiv. Stumpf auf seinen synthetischen Beat konzentriert mit dauernd repetierenden Vocals zielt er auf ein Publikum, das sich in der Regel mit Electronica und House oder Techno beschäftigt. Tim Mosley (Timbaland) – als inzwischen mehr oder weniger Hausproduzent des Herren Timberlake – hat nicht nur diesem Track seinen Stempel aufgedrückt. Insofern kommt ein guter Teil des Albums frisch und „zukunftsweisend“ daher. Timbaland scheint 2006 wieder einen kreativen und handwerklichen Höhenflug zu haben.

Leider vertraute Timberlake Timbaland nicht auf der gesamten Länge des Albums und dieser scheint zudem Angst vor der eigenen Courage bekommen zu haben. So schleichen sich zum Ende hin Songs ein, die der Boygroup-Vergangenheit oder dem Gedanken an das Boygroup-Publikum geschuldet scheinen. Das seicht schnulzig Schleimige von „Until The End Of Time“ und „(Another Song) All Over Again“ wäre halbwegs erträglich, würde es sich auf die Länge einer durchschnittlichen Pop-Nummer – also drei bis dreieinhalb Minuten beschränken. Wo ich letzterem noch Justins Vorliebe für Stevie Wonder anhören mag, frage ich mich bei „Until …“ wirklich, was ihn und Timbaland geritten haben mag. Diese zwei Totalausfälle stellen aber die Ausnahme von der Regel dar. Negativ auffallen tut weiter eigentlich nur noch die Beteiligung von Will.I.Am (Black Eyed Peas) am Track „Damn Girl“.

Alle anderen Songs – so viele Balladen-Elemente sie auch haben mögen („Losing My Way“, „Lovestoned / I Think She Knows Interlude“, „Summer Love / Set The Mood Prelude“) – überzeugen durch innovative Beats und Samples. Wobei Innovation meint, Ideen von Michael Jackson und Prince aus den Achtzigern aufzubohren und nach 2006 zu beamen, oder Produktionsansätze zu verwenden, die Künstler des WordSound-Labels (Prince Paul, Dr. Israel, Spectre) bereits Ende der 90er Jahre für ihren Dub-Funk nutzten, mit wenig kommerziellem Erfolg. Der Schritt weiter, den dieses Album geht, zeigt sich zudem in dem mehrfach angewandten Vorgehen, zwei Songs – einen Song und ein Interlude – organisch ineinander übergehen zu lassen und so ein neues Stück zu schaffen, dass größer ist als die beiden Einzelteile.

Besonders auf der ersten Albumhälfte – zwischen zukünftigem Sex, Geräuschen der Liebe und Liebestrunkenheit – erreicht „Futuresex/Lovesounds“ das, was die Plattenfirmen von einigen Alben dieser Tage behaupten: Es verleitet dazu, ganz eigene, verwegene, auch absurde Bewegungsmuster zu erzeugen, um sich auf der Tanzfläche zum Affen zu machen. JT hält mit seinem Zweitling somit alles, was sein Debüt „Justified“ versprochen hat, aber erfüllt nicht die hohen Erwartungen, die von „Sexy Back“ bei mir geweckt wurden.

Oliver Bothe

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