Rezension

Jason Molina

Eight Gates


Highlights: Shadow Answers The Wall // Be Told The Truth
Genre: Singer/Songwrtiter
Sounds Like: Songs: Ohia // The Magnolia Electric Co. // Will Oldham

VÖ: 07.08.2020

Posthum veröffentlichte Alben sind ja immer so eine Sache und sollten generell kritisch betrachtet werden. Zum einen, weil der verstorbene Künstler natürlich keinerlei Mitspracherecht mehr an der Veröffentlichung hat und dann kommt es auch nicht selten vor, dass die „Nachlassverwalter“ einfach noch einmal ordentlich Kohle rausschlagen wollen. Ohne Rücksicht auf den Willen oder die Werte und Vorstellungen des Verstorbenen.

Monetäre Gründe dürften im Fall Jason Molinas sicherlich keine Rolle gespielt haben. Da gibt es schlicht und ergreifend keine Cash-Cow zu melken, schon gar nicht sieben Jahre nach dem Tod des Songwriters. Zwar hatte Molina schon zu Lebzeiten eine treue Anhängerschaft, für viele andere war aber schon damals seine Musik zu sperrig, zu düster, zu traurig oder einfach zu emotional aufwühlend. Nachvollziehbar, auch wenn der Fan gerade diese Aspekte immer als die große Stärke von Molina auslegen wird (und das zurecht).

Entstanden sind die neun Songs auf „Eight Gates“ nachdem Jason Molina 2008 nach London umzog und dort bis zu seinem Tod 2013 weilte. Von der tollen Bandkomposition „Shadow Answers The Wall“ abgesehen, erklingen die restlichen Stücke in typisch reduziertem Gewand. Molinas zerbrechliche Stimme, eine Akustikgitarre und eben Lyrics im Dunstkreis von Isolation, Depression, aber auch Hoffnung. Was noch einmal ganz klar wird: Niemand kam und kommt jemals an Molinas authentischen Weltschmerz heran. Nein, auch nicht Nick Drake. „Eight Gates“ untermauert das in einer halben Stunde abschließend für die Nachwelt.

Wer sich mit dem Schaffen von Jason Molina allerdings mehr beschäftigt hat, weiß auch, dass der Songwriter dieses Album niemals so durchgewunken hätte. Allein die Masse an Songs, die Molina irgendwann mal live gespielt, aber nie aufgenommen hat, weil er nicht zufrieden damit war, ist gigantisch. Ob gerade eine der Songskizzen auf „Eight Gates“ jemals überhaupt eine vollwertige Version erlebt hätte, ist pure Spekulation. Bleibt also einmal mehr die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines posthumen Albums im Raum stehen, auch wenn „Eight Gates“ für Fans von Molina natürlich eine Goldgrube ist. Andererseits: Wenn sich dadurch nur eine Handvoll neuer Bewunderer für den meist unterschätzten Songwriter ever findet, dann hat sich die Veröffentlichung eigentlich schon gelohnt.

Benjamin Köhler

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