Rezension

Jaakko Eino Kalevi

Dissolution


Highlights: The Search // Uutiset // The Source Of The Absolute Knowledge
Genre: Elektro-Pop
Sounds Like: Stabil Elite // Miss Kittin & The Hacker // Jean-Michel Jarre

VÖ: 22.11.2019

Sein Minialbum „Dissolution“ beginnt Jaakko Eino Kalevi mit einer Selbstreferenz: Der Titel des Openers, „Out Of Touch“, ist zugleich der Titel des Vorgängeralbums von letztem Jahr, das ein vergleichsweise schwaches war. Der Finne, dessen Gesamtwerk wie ein einziger Versuch wirkt, Clubtauglichkeit und Pop-Strukturen zu vereinen, wird auf „Dissolution“ wieder experimentierfreudiger – und, das (Achtung, Spoiler!) steht ihm gut.

Der Titeltrack beginnt typisch für Jaakko Eino Kalevi: Eine simple Basslinie und ein über das gesamte Stück modulierter Synthesizer werden von einem zurückgenommenen Schlagzeug begleitet, ehe eine funky Gitarre den Sound komplettiert. Einer der stärksten Songs des Albums ist „Uutiset“. Er beginnt mit einer klaren und hohen Synthesizerlinie; krautige Synthesizer, bis zu vier Stück gleichzeitig, verweben sich miteinander, treten in den Hintergrund und schälen sich wieder heraus. Von dem finnischen Text (dem einzigen auf dem Album) versteht man kein Wort, aber es ist davon auszugehen, dass es etwas mit Liebe oder Selbstfindung zu tun hat. Denn so rahmt Jaakko Eino Kalevi selbst das Album: „Das Leben auf der Erde ist ein Geheimnis – es ist eine Geschichte der Auflösung.“

So erklärt sich dann auch der Titel, so erklärt sich die Experimentierfreudigkeit – es ist die Suche nach Auflösung. „The Source Of The Absolute Knowledge“ ist dann schon fast notwendigerweise der Titel des nächsten Songs. In Manier von Miss Kittin & The Hacker singt die Wahl-Berlinerin Yu-Ching Huang über einen straighten Club-Beat, der im Refrain durch eine dissonante Synth-Fläche dekonstruiert wird. „If you show yours / I’ll show mine“ – am Ende ist die Quelle des absoluten Wissens die Gesamtheit der Einzelnen; dabei natürlich mehr als die Summe ihrer Teile.

„The Search“ beginnt mit einer dreckigen Acid-Basslinie und hyperaktiven HiHats, ein Synthesizer gibt dem Stück einen tropical Twist, es wäre auf der dreiteiligen „Welcome To Paradise“-Compilation (Tipp!) bestens aufgehoben. „The success of your search is up to your own effort“ lautet der Text des Refrains. Das kann als Fazit verstanden werden, denn mit dem nachfolgenden Instrumental-Stück entlässt Jaakko Eino Kalevi die Hörer.

Das absolute Wissen liegt in der Gemeinschaft aller, der Erfolg der Suche hängt vom eigenen Einsatz an – würde das Minialbum hier nicht stoppen, es könnte noch viel esoterischer werden. Insofern ist es einerseits vielleicht ganz gut, andererseits wäre mit dem Song-Material auch ein ganzes Album möglich gewesen, das wieder an die früheren Platten des Finnen angeknüpft hätte. So bleibt „Dissolution“ eine Sammlung von Skizzen – wenngleich eine sehr gute.

Per Horstmann

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