Rezension

It's Not Not

Fool The Wise


Highlights: All Vanishes Away // For Who You Are Here For // Psalm
Genre: Indierock
Sounds Like: Les Savy Fav // Hot Hot Heat

VÖ: 11.11.2016

„Resurrection“ heißt das erste Lied auf der neuen Platte von It’s Not Not – „Auferstehung“. Das klingt ein wenig pathetisch, aber irgendwie auch wesentlich cooler als "Comeback". Immerhin ist „Fool The Wise“ das erste Lebenszeichen der katalanischen Supergroup seit 2007. Nicht, dass It’s Not Not tatsächlich aufgelöst gewesen wären. Aber wenn die Bandmitglieder normalerweise in Gruppen wie Dies Irae, Tokyo Sex Destruction und Standstill spielen, ist es nicht verwunderlich, dass das Nebenprojekt manchmal ein bisschen ruhen muss. Neu dabei ist für das vierte Album außerdem Eric Fuentes von The Unfinished Sympathy. Ab und an brauchen die Herren anscheinend doch mal ein wenig Ablenkung vom Tagesgeschäft in der Punk- und Hardcoreszene. Ein Glück – „Fool The Wise“ ist ein lässiges Indierockalbum ohne offensichtliche Schwächen geworden.

Wobei "Indierock" vielleicht nicht ganz der richtige Begriff ist. „Resurrection“ geht zu Beginn mit einer Menge Gitarrengegniedel eigentlich eher in Richtung At The Drive-In und „All Vanishes Away“ erinnert an Postpunk. Aber der allergrößte Teil von „Fool The Wise“ klingt dann doch wieder ordentlich nach Les Savy Fav und Konsorten. Zum Glück: Songs wie „For Who You Are Here For“ und „Satellite Of A Satellite“ setzen sich sofort im Ohr fest. Irgendwie schaffen es die Katalanen, dass ihre Songs verdammt cool und lässig klingen, ohne dass sie zu gewollt oder gar egal wirken. Bestes Beispiel dafür ist vielleicht „Psalm“: Der verträumte Anfang geht so organisch zu immer interessanteren Gitarrenläufen über, dass man von dem Gegniedel im Refrain weder überrascht noch genervt ist. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die It’s Not Not so erfolgreich macht. Der harte Background der Mitglieder bringt einfach frischen Wind in die klassischerweise recht simplen und deshalb oft schnell langweiligen Indiestrukturen. Hier mal kurz einen verspielten Basslauf einstreuen, an anderer Stelle mal ein paar Wörter shouten und schon kommt wieder Dynamik in das alte Schema. Ja, womöglich fehlen dem Album die richtigen Überhits, aber dafür ist das Niveau eben insgesamt ziemlich hoch.

Eine Frage drängt sich beim Hören immer wieder auf: Wie das wohl live ist? Schwitzende Mengen, die Refrains mitgrölen und stürmisch tanzen – das sind Bilder, die extrem gut zu „Fool The Wise“ passen. Und bestimmt würde das gesamte Publikum den Mittelteil von „Sacred Metal“ im Chor mitsingen, bevor es beim Einsetzen der Gitarre eskaliert. Vorerst müssen wir uns aber mit dem Album in der Anlage zu Hause oder auf Kopfhörern unterwegs begnügen. Und hoffen, dass bis zum nächsten Album von It’s Not Not nicht wieder neun Jahre vergehen.

Lisa Dücker

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"Resurrection"

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