Rezension

International Music

Die Besten Jahre


Highlights: Cool Bleiben // Für Alles // Mein Schweiß
Genre: Rock
Sounds Like: The Velvet Underground // F.S.K. // Abwärts // Django Django

VÖ: 27.04.2018

„Knie kaputt, Frisur is’ scheiße, die besten Jahre sind vorbei“

Naja, für International Music scheinen die besten Jahre gerade erst zu beginnen. Es gibt nicht wenige, die unterschreiben würden, dass sie die deutsche Band des Jahres waren. Die meisten Rezensionen begannen anfangs noch mit dem Festhalten, wie schwer googlebar dieser Bandname doch eigentlich sei. Doch diese Zeiten sind definitiv vorbei und mittlerweile hat auch die bekannte Suchmaschine gelernt, dass sich hinter „internationaler Musik“ ein Trio aus Nordrhein-Westfalen verbirgt. Denn der Hype um die Band verbreitete sich wie ein Lauffeuer und zunächst wie in alten Zeiten über Mund-zu-Mund-Propaganda (wer braucht eigentlich dieses Google?).

„Dieser Ort ist eine Kneipe, dieser Ort ist eine Bar“

Das Phänomen International Music ist dabei gar nicht so leicht zu erklären. Sie sind nicht unbedingt das, was man eine innovative Band nennt. Viel mehr schaffen sie es, auf ihrem Doppelalbum „Die Besten Jahre“ 16 schunkelige, aber amtliche Hits abzuliefern, streckenweise wie eine Zeitreise durch (deutsche) Pop- und Rockmusikgeschichte anmutend, mit einer Brise Velvet Underground verfeinert. Die drei Jungs aus Essen strahlen dabei stets eine sympathische Bodenständigkeit aus wie die gemütliche Kneipe ums Eck.

„Ich bin der Kopf der Band, ich denke Stunden, Tage vor mich hin, und wenn ich dann noch nicht betrunken bin, dann geb' ich einen aus“

Und doch oder gerade deswegen hebt sich ihre Musik ein gutes Stück weit von der Masse ab. „Die Besten Jahre“ versprüht diese Energie, wie man sie oft nur auf Debütalben findet. Wenn etwa ein Song wie „Tür“ plötzlich explodiert: „Man braucht Kohle und Kometen, um ein Mädchen zu entführen. Man braucht Rosen und Raketen, man braucht gute Manieren.“

Über allem schwebt mal mehr, mal weniger deutlich eine melancholische Note. Die Gitarren präsentieren sich häufig in Moll und bekommen bei genauerem Hinhören einen shoegazy, verhallten Anstrich. Mit „Für Alles“ steht dann auf einmal dieser bekannte Beat im Raum, den man doch schonmal irgendwo… genau, bei The Jesus And Mary Chain gehört hat, und dennoch macht die Band daraus etwas völlig Anderes, eine Art Ruhrpott-Hymne. Herausragend sind International Music aber vor allem durch ihre Lyrics.

„Das Restaurant war wunderschön gelegen, aber wunderschön war mir nicht genug. Mama, warum bekomm’ ich’s immer so, wie ich es bestellt hab’?“

Beispiele gäbe es ohne Ende. Und so hat dann letztlich auch jeder der 16 Tracks auf „Die Besten Jahre“ seine Daseinsberechtigung. Man würde einfach etwas verpassen, würde man nicht jeden einzelnen von ihnen kennen.

Jonatan Biskamp

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