Rezension

Incubus

Monuments And Melodies


Highlights: Are You In? // Drive // Let's Go Crazy!
Genre: Rock // Funk
Sounds Like: Red Hot Chili Peppers // Deftones // Pearl Jam

VÖ: 12.06.2009

Was kommt eigentlich nach einer Greatest-Hits-Compilation? Das Ende der Band? Ein Soloprojekt des Sängers? Die wohlverdiente Frührente auf einer Insel mit Surfstrand? Eine eigene Galerie und ein weiteres Kunstbuch? Oder geht es mit Incubus nach "Monuments and Melodies" weiter? Weiter wie bisher oder weiter in einem neuen Gewand? All das liegt noch völlig ungeklärt in der Zukunft. Im Moment interessiert die Vergangenheit. Eben jene Vergangenheit, die Brandon Boyd und seine Jungs in die Form eines recht interessanten Doppel-Albums gepackt haben.

Doch "Monuments And Melodies" erzählt nicht die gesamte Geschichte von Incubus. Die ersten beiden, von Funk und Crossover geprägten Alben "Fungus Amongus" und "S.C.I.E.N.C.E." wurden bei der Zusammenstellung unter den Teppich gekehrt. Auf der Best Of finden sich nur die Stücke, die für die neuen Incubus stehen, der Teil der Bandhistorie, der 1999 mit "Make Yourself" und den Hits "Pardon Me", "Stellar" und natürlich "Drive" begann. Das erste Erfolgsalbum "Morning View" erschien im Herbst 2001 und kletterte bis auf Platz 2 der US-Charts, in Deutschland reichte es immerhin für die Top 30. "Wish You Were Here", "Nice To Know You" und "Are You In?" sind nur drei der großartigen Songs, die später auch auf der Live-DVD "Morning View Sessions" abgefeiert wurden.

Anfang 2004 kam "A Crow Left Of The Murder". Wieder landete das Album auf Platz 2 der US-Charts, aber auch bei uns schafften die Kalifornier den silbernen Podiumsplatz. "Light Grenades", im Herbst 2006 veröffentlicht, stieg von 0 auf 1 in die US-Charts ein, aber das europäische Publikum ließ sich davon nicht mitreißen. Platz 19 in Deutschland und gar nur Platz 52 in England waren die höchsten Platzierungen. Immerhin kam die Auskopplung "Love Hurts" unter die ersten 30.

Wer nun aber eine simple Zusammenstellung aller Singles plus die üblichen ein bis zwei neuen Lieder, die natürlich auch dabei sind - "Black Heart Inertia" und "Midnight Swim" - erwartet hat, der täuscht sich. Ohne spürbaren Aufpreis gibt es eine zweite CD oben drauf. Auf der finden sich unveröffentliche Songs, B-Seiten und mit "Let's Go Crazy!" gar ein recht charmantes Prince-Cover. Das macht "Monuments and Melodies" zu einem Sammlerstück, nicht nur für Hardcore-Fans der Band. Und auch für Freunde der künstlerischen Fähigkeiten von Brandon Boyd ist das Album ein Leckerbissen, hat er doch wieder selbst an der Covergestaltung Hand angelegt.

Incubus gehören neben den Red Hot Chili Peppers sicher zu den prägendsten Bands einer ganz speziellen Musikrichtung, einer Mischung aus Rock und Funk, getragenen Songs, in denen es aber auch gerne mal kracht. Nicht umsonst spielen sie auf allen Festivals auf den großen Bühnen, wenn die Sonne schon untergeht. Diese Greatest-Hits-Sammlung mit tollem Bonusmaterial zeigt den Weg ab der endgültigen Selbstfindung der Gruppe und macht deutlich, was sie schon alles geschaffen haben. Da können selbst die Kritiker einmal kurzzeitig verstummen. Bis 2010 zumindest. Denn dann, und damit löst sich die eingangs genannte Frage auf, soll das neue Album von Incubus erscheinen. Bis dahin kann Brandon Boyd noch wacker den Pinsel schwingen.

Martin Korbach

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