Rezension

Incubus

If Not Now, When?


Highlights: Isadore // In The Company Of Wolves // Adolescents
Genre: Alternative Rock // Nu-Rock
Sounds Like: Lostprophets // Hoobastank

VÖ: 08.07.2011

Ist die Luft schon raus oder atmen sie nur aus? Ja, was gab's schon im Vorfeld des siebten Incubus-Albums an Gemurmel: Bereiten die jetzt ihre Rente vor? Oder fahren die Fünf weiter die Radio-Schiene mit Schmachtlyrik direkt aus dem Poesiealbum a la "Love Hurts"? Nun, weder noch. "If Not Now, When?" zeigt Incubus souverän und befreit. Von Erwartungen und dem Druck, abliefern zu müssen. Stattdessen gönnt sich die Band eine kleine Rast.

Nur sinnig, wo der Vorgänger "Light Grenades" doch in alle Richtungen ausschlug: Mal wild, mal einfühlsam, stets wandelbar. "If Not Now, When?" deutet vom Namen her aufs Fäusterecken und schickt direkt in die ganz falsche Ecke. Das Motto hier heißt: Kurz mal besinnen, klar im Kopf werden – um dann mit dem unaufgeregten Titeltrack loszulegen, der die neue Richtung direkt ebnet: Weg mit den Riffs, Tempo drosseln, einfach zurücklehnen. Bockig war gestern, diese Band hat die Aggression am Straßenrand stehen lassen.

Die böse Zunge könnte meinen, Incubus wären nach fünf Jahren Stille im Ferienmodus hängen geblieben. Dafür ist "If Not Now, When?" im entscheidenden Punkt aber bandtypisch: Das Niveau stimmt. War jede Platte ihrer Diskographie doch mindestens gut, knüpft auch der siebte Sprössling nahtlos an, weil hier eben wieder starkes Songwriting glänzt: "Thieves" schafft's als ein lässiger Protestsong, "Isadore" mit einem dieser Refrains, mit denen diese Band groß geworden ist. Meisterhaft werden Incubus dann in "In The Company Of Wolves", das mit sanfter Akustikgitarre den Morgentau grüßt, um schließlich mit mollig-warmem Groove durch schwüle Sommernächte zu schlendern. Ein Song, bezeichnend für das Album: Incubus sparen sich den ganz offensichtlichen Hit dieses Mal, lassen dafür das Album konstant fließen. Raum frei für durchgehend entspannte 50 Minuten.

Klar fehlt er auf dem bis dato ruhigsten Album der Band ein bisschen, der gute alte Lärm. Kurz andeuten kann er sich im mit Raps bestückten "Switchblade", duckt sich aber schnell wieder weg. Dennoch ist er ein Hinweis: Gas geben können Incubus auch noch. Und den vielen, die das auf "If Not Now, When?" vermissen, sei gesagt: Das werden sie auch wieder. Denn Album Nr. 7 ist eher Auszeit als Antrag auf Frührente, eher authentisches Dokument langer Bandpause als seelenlose Songansammlung einer Truppe von Rock-Opas. Schließlich hat die Band auf der Bühne noch viel zu viel Energie, um sich nun selbst in den Sack zu hauen. Ein Album, das Kraft tankt, anstatt sie zu verschleudern. Mal eben ausspannen, bevor's wieder ernst wird und solange es noch geht. Siehe da: Man kann ihn auch ganz anders verstehen, diesen Albumtitel.

Gordon Barnard

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