Rezension

Imagine Dragons

Smoke + Mirrors


Highlights: Friction // Polaroid // Gold
Genre: Pop
Sounds Like: OneRepublic // The Script // Take That // Coldplay

VÖ: 13.02.2015

Kunst darf viel. Sie darf kritisieren. Sie darf verstören. Sie darf aufrütteln. Mitunter will sie nichts von alledem, sondern: Unterhalten. Sich selbst genügen. Einfach nur SEIN. Stellt man sich den musikalischen Kunstkosmos als Magneten vor, dann schmiegt sich die Musik der US-amerikanischen Band Imagine Dragons definitiv an den unkritischen, den positiven Pol. Glasklare Arrangements, glasklare Stimmen, freundliche Melodien. Du hörst das erste Mal die neue Platte und hast sofort das Gefühl, nach Hause zu kommen. Bei dieser Musik muss dir niemand erklären, wie sie funktioniert. Sie funktioniert einfach.

Ist es für einen Musiker eine Gabe, dieses Schema zu erfassen und daraufhin am laufenden Band kurzweilige wie eingängige Songs zu produzieren? Oder ist es das Werk des Teufels? So wie jene Menschen behaupten, die ihre Nase über das ewig Wiederkehrende rümpfen? „Das ist doch Radio-Pop“, sagen sie. Sprechen es aus wie eine schwere Krankheit.

Tatsächlich versuchen Imagine Dragons auf „Smoke + Mirrors“, ihrem zweiten Studioalbum, keine drei Sekunden, mit ihrem Anliegen hinter dem Berg zu halten. Gute Laune vom Reißbrett. Die meisten Songs sind wenig überraschende dreiundeinpaarzerquetschte Minuten lang. Jeder Track heißt genauso, wie man es nach wenigen Takten des jeweiligen Refrains vermuten würde. Eine ganze Reihe dieser Liedchen kann man sich gut in der Heavy Rotation vorstellen. In der Heavy-, Heavy-, Heavy-Rotation (Zehn Euro darauf, dass es „Polaroid“ schafft!). Die Stimmen der Jungs sind nett. Ja. Nett. Präsentieren ihre Besitzer gleich im Opener „Shots“ mit choreskem Falsetto als legitime Erben der 90er-Boybands. Im Jahr 2015 allerdings nicht mehr in Muskelshirts, Jeans und Strickmützen, sondern smarten Business-Suit-Adaptionen. Die echten Boybands beziehungsweise deren Überbleibsel sind ja schließlich auch umgestiegen: siehe Take That oder Justin Timberlake.

Es lässt sich nicht leugnen: Trotz steriler Produktion versprüht die Musik einen gewissen Charme. Kommt eben smart daher. Nicht unbedingt in der Form des Albums. Denn da reihen sich die Einzelstücke so dicht aneinander, dass die Luft zum Atmen fehlt und die Charakteristika verlorengehen. Nein, eher auf der Mikroebene, in Teilen der einzelnen Songs sind die zu finden. Da ist mal eine verzerrte einzelne Gitarre wie am Ende von „Gold“ oder es sind weltmusikalische Einsprengsel im rhythmischen „Friction“. Das gefällt. Die Texte darf man indes getrost vergessen. Aber danach hat ja auch keiner gefragt, oder? Einfach nur SEIN.

Mischa Karth

Sehen


I Bet My Life

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.