Rezension

Ian Sweet

Crush Crusher


Highlights: Hiding // Spit // Ugly/Bored
Genre: Alternative-Rock // Dream-Pop // Noise-Rock
Sounds Like: Yeah Yeah Yeahs // Charli Bliss // Soccer Mommy

VÖ: 26.10.2018

„Crush Crusher“ startet so selbstverständlich mit elektrisierenden, Gitarren-fokussierten Hits, dass man sich fragt, ob nicht vielleicht in genau diesen Momenten Rockmusik ein Stück weit „gerettet“ wird, so abgedroschen das auch klingen mag. Daran schließt sich die noch viel brennendere Frage an: Warum wird Ian Sweet nach wie vor kaum wahrgenommen, obwohl sie bereits auf ihrem Debüt „Shapeshifter“ zeigte, welche Energie in ihr steckt?

Sei es drum. Jilian Medford ist zurück und das ist für sich genommen schon erstaunlich, denn in den vergangenen zwei Jahren seit „Shapeshifter“ passierte einiges. In dem zwar von Medford ins Leben gerufenen, aber zuletzt noch als Trio agierenden Projekt Ian Sweet krachte es gewaltig, was nicht gerade förderlich war, eine sich anbahnende Depression aufzuhalten, so dass sich die Sängerin zunächst eine Auszeit nahm, um dann später einen kompletten Ortswechsel nach L.A. vorzunehmen. Mit „Crush Crusher“ geht Jilian Medford nun also erneut solo ihren Weg und reflektiert sich und ihre Umwelt. Das Album ist wie schon sein Vorgänger getrieben von Ängsten und Unsicherheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und nimmt dabei jedoch kein Blatt mehr vor den Mund.

„You’ll go and I’ll get swallowed by someone else’s spit” („Spit“).
„I forgot myself in you, you, you“ („Hiding“).
„Don’t assume that love is personal // It’s the death of me // It’s the death of you” („Bug Museum“).

Musikalisch ist „Crush Crusher“ gefüllt mit ekstatischen Riffs, die für die Musikerin womöglich eine kathartische Wirkung entfalten. „Spit“ ist vielleicht ihr stärkster Song und einer derer, die so sehr begeistern, dass man die Stereo-Anlage am liebsten ganz laut aufreißen würde, um die ganze Welt daran teilhaben zu lassen. Aber auch in den ruhigen Momenten liegt das Augenmerk klar auf Medford und ihrem Sechssaiter. So eifert sie ganz einfach weiter unbeirrt ihren Idolen Slint oder Sonic Youth nach, in den treibenden Momenten vielleicht auch den frühen Nada Surf. Das Album feiert damit bei Ian Sweets neuem Label Hardly Art einen gebührenden Einstand. Vielleicht hilft das ja, ihren Bekanntheitsgrad auch außerhalb der Staaten zu erweitern.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Hiding"
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