Rezension

Hurray For The Riff Raff

Look Out Mama


Highlights: Ode To John And Yoko // Something's Wrong // Riley
Genre: Country // Folk
Sounds Like: Alabama Shakes // Dark Dark Dark // Madeline

VÖ: 17.08.2012

Man hört den Songs von Hurray For The Riff Raff geradezu die Biografie ihrer Sängerin an. Alynda Lee Segarra, die den kreativen Kopf der Band darstellt und bis vor kurzem ihr einziges dauerhaftes Mitglied war, verließ im zarten Alter von 17 Jahren ihre Heimatstadt New York, um kreuz und quer durch die USA zu reisen. Das Verkehrsmittel der Wahl: Güterzüge! Erinnert ein wenig an „On The Road“, oder? Schon die Osloer Band The Little Hands Of Asphalt besangen dieses Gefühl mit but my friend she's reading Kerouac / so there's no way we'll be going back und das trifft die Stimmung der Musik von Hurray For The Riff Raff ganz gut. Man fühlt sich ein wenig so, als würde man am Abend nach einem Tag, an dem man als unbemerkter Passagier den halben Staat durchquert hat, dosenbohnenlöffelnd am Lagerfeuer neben den Gleisen sitzen.

Aber auch die Musik auf „Look Out Mama“ ist getrieben, kann kaum bei einer Stilrichtung verweilen und pendelt so zwischen klassischem Country, psychedelischem 60's Rock und sogar Surf-Pop hin und her, um schließlich doch wieder beim Folk zu landen. Das Grundgerüst bilden stets Segarras jugendliche Stimme, eine Gitarre und ein zurückhaltendes Schlagzeug. Diese werden je nach Bedarf ergänzt durch Violine, Mundharmonika, „shuwabshuwab“-Chöre oder sogar Gejodel. Das geht bei manchen Songs wie „Little Black Star“ oder „Born To Win (Part 1)“ ganz gut, ist allerdings insgesamt sehr gewöhnungsbedürftig und hinterlässt bei der Mehrzahl der Songs einen etwas faden Nachgeschmack. Vor allem die Jodel-Einlage im Titelsong „Look Out Mama“ hätte nun wirklich nicht sein müssen und lässt, zusammen mit der Songzeile "and you can lead us all the way to the promised land" einen peinlich berührten Rezensenten zurück.

Mehr als einmal stellt man sich beim Durchhören des Albums die Frage, inwieweit das hier ernst gemeint ist, oder ob sich doch eine gewaltige Portion (Selbst-)Ironie dahinter versteckt. Vom Cover des Albums blickt uns zumindest ein schwer bewaffneter und zudem mit einer Halskette mit Kreuzanhänger ausgestatteter Soldat an – ein Seitenhieb auf die „Verteidigung amerikanischer Werte“? Dies würde auch der gesamten Treck-nach-Westen-Ästhetik des Albums eine neue Facette verpassen.

Glücklicherweise hält sich das Kuhglocken-Ambiente des Titelsongs nicht das ganze Album hindurch und Songs wie „Riley“ und „Ode To John And Yoko“ stellen einen schönen Kontrast dazu dar. Letzteres ist mit seiner psychedelischen Collage aus anschwellendem Gitarrenrhythmus, bissigem Kommentar zu dieser in die Musik-Historie eingegangenen Beziehung und Beatles-Pop auch das interessanteste Lied des Albums.

„Look Out Mama“ ist also ein Album mit seinen Höhen und Tiefen, bei dem die einzelnen Songs sich so sehr unterscheiden, dass sie sogar von gänzlich verschiedenen Bands stammen könnten. Der Produzent Andrija Tokic, der unter anderem auch das Debüt der wunderbaren Alabama Shakes produziert hat, hat in dieser Hinsicht Großes geleistet, indem er es schafft, diesen eklektischen Mix zu einem doch einigermaßen zusammenhängenden Ganzen zu formen.

Christoph Herzog

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"Ode To John And Yoko" im Stream
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