Rezension

Hülse

Im Kreis Gedreht Und Jetzt Im Krieg


Highlights: Rede Von // Kyrill // Trauma
Genre: Post-Punk // Noise // Wave-Punk
Sounds Like: Messer // Love A // Die Nerven

VÖ: 13.10.2017

Als Huelse bezeichnet man laut Definition unter anderem das Überbleibsel eines abgegebenen Schusses, der dann nutzlos zurückbleibt. Ob sich das junge Post-Punk-Quartett aus Hessen mit ihrem Bandnamen auf eben diese Definition bezieht, ist fraglich, klingt doch ihr Debüt „Im Kreis Gedreht Und Jetzt Krieg“ zu ambitioniert, als dass es nur einen Hördurchgang wert wäre.

„Trauma“ eröffnet die Platte mit einzelnen, wabernden Tönen und anklagendem Sprechgesang – bis das Schlagzeug einsetzt, die Gitarre einzelne Akkorde durchstreicht und der Verzerrer getreten wird, der den Song zum Ende antreibt.

In „Rede Von“ übernimmt zu Beginn der Bass die Songführung und lässt die Gitarre durch den Song flirren, während der Gesang sich in bester Otremba/Messer-Manier durch den Song schimpft und dabei zusätzlich noch Rückendeckung von Jochen Gäde, seines Zeichens Sänger der leider aufgelösten Keine Zähne Im Maul Aber Lapaloma Pfeifen, erhält. Mit „Neuer Herbst“ hat sich dann noch ein kleiner Hit in die Tracklist geschlichen, der sich durch seine musikalische Eingängigkeit und den gesungenen Text von der melancholischen Grundstimmung der Platte abhebt, der Band aber auch gut zu Gesicht steht.

Bei der aktuellen Schwemme an Post-Hardcore-Bands wird es immer schwieriger, sich ein Erkennungsmerkmal zu schaffen, welches nicht direkt von der Turbostaat-Referenz-Welle überrollt wird. Huelse gelingt es mit ihrem Debüt „Im Kreis Gedreht Und Jetzt Krieg“, zumindest über weite Strecken eine gewisse Eigenständigkeit zu wahren, indem sie nicht den üblichen "volle Pulle nach vorn"-Sound fahren, sondern es verstehen, sich an den richtigen Stellen zurückzunehmen. In dieser Huelse steckt noch mehr Feuerkraft.

Sönke Holsten

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