Rezension

Horse Thief

Trials And Truth


Highlights: Another Youth // Drowsy // Evil's Rising
Genre: Folk-Rock // Indierock
Sounds Like: Band Of Horses // Wintersleep // Neil Young

VÖ: 27.01.2017

Es ist wieder einmal das verflixte zweite Album, das jeden Künstler vor die Herausforderungen stellt, die sich einfach nicht umgehen lassen. Weiterentwicklung ist gefragt, aber man will sich ja trotzdem treu bleiben. Einfach noch einmal dasselbe abzuliefern wäre zu einfach, aber eine Neuorientierung bringt andere Risiken mit sich. Auch Horse Thief aus Oklahoma mussten sich mit ihrem nun erschienenen zweiten Album dieser Herausforderung stellen.

Darf man das noch gut finden, was Horse Thief auf ihrem zweiten Album „Trials & Truths“ abliefern? Sind das nicht schon zu viel Pathos, zu viel Eingängigkeit und zu viele hymnische Refrains? Andererseits könnte man es auch so sehen, dass die Band nach ihrem gelungenen Debüt hier ihr Spektrum erweitert, sich an neue Klänge wagt und so ihrem doch sehr amerikanisch klingenden Folk-Rock etwas Zeitgemäßes verleiht.

Solche Gedanken macht man sich beim Hören dieses Albums. Der stets anspruchsvolle Musik suchende Indie-Nerd streitet sich mit dem Teil in einem, der einen einfach nur schöne erfüllende Songs hören lassen möchte. Herz gegen Verstand könnte man zugespitzt sagen, doch natürlich ist es nicht ganz so einfach, weil es in den meisten dieser Songs trotz ihrer Eingängigkeit Vieles zu entdecken gibt. Allein schon der Opener „Another Youth“ ist ein Paradebeispiel dafür. Wie hier filigrane Gitarrenklänge auf das dynamische Duo aus rumpelndem Schlagzeug und treibendem Bass trifft, wie Cameron Neil seine Melodiebögen spannt, da kann man sagen, was man will, das ist einfach wunderschön anzuhören.

„Trials & Truths“ lebt von den Kontrasten, die Horse Thief nicht nur innerhalb der Songs, sondern auch im Kontext des gesamten Albums erzeugen. Songs wie „Evil’s Rising“ gewinnen ungemein dadurch, dass sie auf ein ruhigeres Stück wie „Falling For You“ folgen. Leichtfüßig spielen sich Horse Thief durch ihr Album, klingen dabei mal eher nach Band of Horses oder Wintersleep, mal mehr nach dem Neil Young der 70er, mal nach einfachem klassischem Folk und mal nach perfekt in Szene gesetztem Indierock.

Kilian Braungart

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