Rezension

Gui Boratto

Pentagram


Highlights: Overload // Alcazar // 618 // Forgotten
Genre: Elektronica // Techno // Club
Sounds Like: Stephan Bodzin // Ellen Allien // Super Flu // Bonobo

VÖ: 15.06.2018

"Pentagram" ist eigentlich ein Titel für ein Blackmetal-Album – oder zumindest Witch-House. Gui Boratto veröffentlicht unter diesem Namen Techno, ganz ohne Satan. Stattdessen pocht er bei dem Namen auf seine Architektenvergangenheit, Phi und goldene Proportionen. Wenn man die Musik dazu hört, ergibt das Sinn: Boratto plant mit der Konsequenz eines Baumeisters. Hier muss natürlich kein Haus halten, sondern Menschen in Clubs ausrasten. Seine über zehnjährige Erfahrung macht das zu einem wahren Ohrenschmaus.

Guck mal, Minimal Techno und Indie paaren sich. "Pentagram" ist ein Mischwesen: Klassisch minimalistische Strukturen treffen auf poppige, teilweise fast pathetische Arrangements. Größter Ausreißer ist „Scene 2“: Ein orchestrales Stück mit pompösem und melancholischem James-Bond-Charme. Neben seinen technoiden Schwestern wirkt das deplatziert. Gleichzeitig spült es die Ohren frei und man freut sich, wenn mit „Alcazar“ wieder eine düstere Elektronummer heranrollt. Herausragend ist ein Song wie „Forgotten“. Man nehme die Quintessenz von Soulwax und Stephan Bodzin, reichere das mit genug Schweiß und einer gewissen Mindestlautstärke an und PAOW. Fertig ist das Clubgesicht.

Was die verschiedenen elektronischen Spielarten auf dem Album vereint (Man könnte jetzt ein gutes Dutzend Sub-Genres aufzählen), ist Gui Borattos handwerkliche Präzision, sein Gefühl für das richtige Timing und eine Liebe zu warmem und hartem Sound. Eine sehr gute Platte für den Sommer.

Peter Heidelbach

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"Forgotten" im Stream
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