Rezension

Grizzly Bear

Veckatimest


Highlights: Two Weeks // Cheerleader // While You Wait For The Others
Genre: Indie-Folk
Sounds Like: Animal Collective // TV On The Radio // Fleet Foxes

VÖ: 22.05.2009

Dass Ed Droste und Co. viele Freunde haben, weiß man spätestens seit der 2007 erschienenen Kooperation auf „Friends“, einer EP, auf der sie mit Bands wie CSS oder Band Of Horses an ihren eigenen Kompositionen rumgefingert haben. Dass Freunde aber manchmal Dinge tun, die gut gemeint sind, aber das Gegenteil bewirken, dürfte auch jedem bekannt sein. Wenn also Fleet-Foxes-Kopf Robin Pecknold in seinem Twitter-Account die neue Scheibe von Grizzly Bear über alle Maßen lobt („The best record of the 00s“), dann ist das, gerade in Anbetracht der generell sehr hohen Erwartungen der musikalischen Öffentlichkeit, nicht zwingend ein Bärendienst. Sowas kann ganz gerne mal nach hinten losgehen. Nachdem das eigentliche Solo-Projekt Ed Drostes spätestens mit dem 2006 erschienenen „Yellow House“ zu einem Kollektiv wurde, wurden die Erwartungen, die sich um die neue Scheibe der Brooklyner rankten, immer größer. Das hat nicht zuletzt mit dem Brooklyn-Hype zu tun, den Bands wie Animal Collective oder TV On The Radio musikalisch immer wieder unterfüttern, aber vor allem eben mit der grandiosen Vorgänger-Platte. „Yellow House“ war eine kleine Offenbarung. Folk mischte sich mit Indie, bekam progressive Strukturen verpasst und wurde zu einem psychedelischen Wahnsinn. Die Musik wollte zwar nicht so recht zu den Gesichtern der Bubis passen, dafür aber umso mehr in die Ecke der Kollegen von Animal Collective. Eine gewisse Verbindung war nun also, ob gegeben oder nicht, jedem Hörer von der Journaille aufgeschrieben worden.

Nach drei Jahren soll dann „Veckatimest“ auf den Markt geworfen werden und Freund Robin Pecknold lässt einen solchen Kommentar ab. Die Erwartung, die man als Rezensent dann gerne hat, ist die, dass dieser Druck das musikalische Gebilde nur einbrechen lassen kann. Die ersten Takte von „Southern End“ wissen sofort eines besseren zu belehren. Jeder Akkord, jeder Choreinsatz, jedes Schlagzeugbreak sitzt genau da, wo es hin soll. Überhaupt ist die Arbeit von Trommler Christopher Bear gar nicht hoch genug zu bewerten. Mit einer Balance aus Virtuosität und Perfektion („Two Weeks“) setzt er die Akzente dieser 12 Songs, die sich endlich aus dem „Weird Folk“-Label zu verabschieden scheinen. Was auf „Yellow House“ oft noch gerne sehr verrückt und ziellos wirkte, bekommt in „Veckatimest“ so etwas wie eine Struktur, einen Hauch von Refrain, ein Stückchen Ordnung. Und hier liegt dann wohl auch der wichtigste und hörbarste Unterschied zum Vorgänger. Na klar bieten sich als Referenzen mal wieder die altgedienten „St. Pepper’s“ und „Pet Sounds“ an, doch das muss doch beileibe nichts Schlechtes sein. Im Gegenteil ist die Harmonie, die das schwebende Timbre Drostes mit der irdischeren Stimmung Daniel Rossens verbindet, einer der wichtigen magischen Bestandteile. Hinzu kommt ein psychedelischer Grundton, der die Songs in einen unwirklichen Schleier kleidet.

„Veckatimest“ ist eine dieser Scheiben, die mit Referenzen nur so um sich zu schmeißen scheint. Neben den Beach Boys und den Beatles schimmern unter anderem auch die Fleet Foxes hier und da durch die vertrackte Strukturenlandschaft. Nicht zuletzt aber bleibt der Bezug zu Animal Collective und man kann vereinfacht zu der Feststellung kommen, dass Grizzly Bear dieser Tage mit dem Folk das machen, was TV On The Radio mit dem Indie-Pop machen: sie beleben ihn, entwickeln ihn weiter und erlösen ihn von seinen unsichtbaren Schranken. Vielleicht nicht die beste Platte der 00er, aber definitiv jetzt schon eine der besten Platten des Jahres.

Andreas Peters

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.