Rezension

Gravetemple

Impassable Fears


Highlights: A Szarka
Genre: Black Metal // Noise // Drone
Sounds Like: SunnO))) // Earth // Fantomas

VÖ: 02.06.2017

Vor etwa zehn Jahren fanden sich die drei Musiker Attila Csihar, Stephen O'Malley und Oren Ambarchi zu einer kurzen Israeltour zusammen. Unter dem Namen „Gravetemple“ lotete das wohlbekannte Trio den musikalischen Schmerzhorizont neu aus. Csihar und O’Malley kennt man unter anderem von Sunn O))) und Mayhem, auch der Noisemusiker Ambarchi tauchte in diesem Dunstkreis immer mal wieder auf. Gravetemple ist nun die Essenz aus all jenem. Der monotone Drone von Sunn O))), der heftige Blackmetaleinschlag diverser Bands um O’Malley und schlussendlich unkalkulierbarer Noise, fertig ist „Impassable Fears“.

Deutlich rauer, chaotischer und „sumpfiger“ als die Hauptband präsentiert sich „Impassable Fears“. Strukturierter Aufbau oder erwartbare Abläufe? Fehlanzeige. Gravetemple lärmen drauf los, locken immer wieder auf vermeintlich sicheres Terrain, um dann umso tiefer abzugleiten. Csihar kreischt und keift in hohen Tönen, nur um Sekunden später dunkle Growls auf die Ohren donnern zu lassen. Hier mischt sich die Extremform des Sunn-O)))'schen Basssound mit dem Straßenkrach der Einstürzenden Neubauten zu ihren ganz frühen Tagen. Metallisches Industrialbollern, Disharmonien, dazu Kreissägen und ein weit offenes Höllentor. Nichts, was es nicht schon einmal gab, in dieser Konsequenz und Art der Zusammenführung wagte es bislang kaum jemand.

Ob das noch Musik ist? Schwer zu sagen. Eine Art Hörgenuss dürfte wohl kaum empfindbar sein. „Impassable Fears“ greift jegliche Hörkonventionen an und verzichtet komplett darauf, auch nur einen Spalt Licht zuzulassen. Es ist das Monster aus dem Moor, vor dem man zwar noch wegrennen möchte, aber keinerlei Chance hat. Selten wurde Krach so sehr zelebriert, selten dürfte der Kreis der Menschen, die so etwas freiwillig hören, so klein gewesen sein.

Klaus Porst

Hören


"Elavúlt Földbolygó (World Out Of Date)" im Stream

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.