Rezension

Grandbrothers

Open


Highlights: Bloodflow // Honey // Alice // London Bridges
Genre: Klassik // Experimental // Electronic
Sounds Like: Balmorhea // Nils Frahm // Christian Löffler

VÖ: 20.10.2017

Die Grandbrothers sind eine Band, aber viel mehr ein Klangexperiment. Ein Klangexperiment, das auch noch richtig schöne Musik ergibt. Aber mal von Anfang: Kennengelernt haben sich der ausgebildete Pianist Erol Sarp und Soundtüftler Lukas Vogel vor sieben Jahren am Institut für Musik und Medien in Düsseldorf. Aus einigem Experimentieren entstand das erste Album „Dilation“, zurecht gefeiert. Das Besondere an den Grandbrothers ist, dass sie für ihre Musik genau ein einziges Instrument benutzen: einen Konzertflügel.

Aus diesem holen sie alle Klänge heraus, einmal wird er herkömmlich gespielt, dann aber mit einem einzigartigen, komplexen System ausgestattet – mit elektromechanischen Hämmern, und sogenannten „Bows“, die die Saiten durch ein Magnetfeld zum Schwingen bringen. So wird der Flügel nicht nur zum Klavierspielen genutzt, sondern sein Resonanzkörper auch als Percussioninstrument. Live ist das ein großartiges Erlebnis: Sarp spielt Klavier, Vogel verarbeitet die Signale live, er samplet, verzerrt, filtert. So entlocken sie dem Flügel in einer Art moderner elektronischer Klassik nahezu alles, was scheinbar möglich ist.

„Open“ ist dann auch ein passender Titel, offen für neue Ideen, kreativ, doch auch vor allem sich nicht nur auf einer guten Idee ausruhend – das sind Grandbrothers. Denn mit der bloßen großartigen Technik ist es nicht getan – die beiden machen auch richtig gute Musik, sphärisch, verträumt, ausufernd. Sie schaffen einen großartigen Klangraum, der beim Hören zu spüren ist. Mit dem Wissen, dass das alles einem Flügel entlockt wird, ist er fast im Raum spürbar, erhaben zeigt er sich im perfekten Sound. Die Musik ist mitunter opulent wie der Opener „1202“, etwa in „Honey“ oder „Alice“ auch einfach nur wunderschön. Obgleich die Grandbrothers sich diese Technik ausgedacht haben, übertreiben sie es nicht – sie setzen sie gekonnt ein, und Vogel ist sehr geschickt darin, sich zurückzuhalten. Das macht „Open“ zu einer nicht nur technisch spannenden, sondern auch richtig schönen Platte.

Daniel Waldhuber

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